Medizin

Wie Autoimmunreaktionen zur Hautablösung führen können

  • Dienstag, 5. Juli 2016

Gießen/Marburg – Wissenschaftler der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Philipps-Universität Marburg haben neue Regulatoren der Zelladhäsion in der Haut entdeckt. Der Arbeitsgruppe um Ritva Tikkanen und Antje Banning aus Gießen sowie Michael Hertl und Rüdiger Eming, Marburg, ist es damit gelungen, neue Erkenntnisse über die molekularpathologischen Vorgänge der hautablösenden Autoimmunerkrankung Pemphigus vulgaris zu gewinnen. Die Studie ist in der Fachzeitschrift Scientific Reports erschienen (2016; doi: 10.1038/srep28820).

Im Fokus der Studie standen Desmosomen – knopfartige Strukturen in Zellmembranen, die dazu dienen, benachbarte Zellen fest aneinanderzubinden. Man findet sie vor allem in Zellen und Geweben, die einer hohen mechanischen Belastung ausgesetzt sind, beispielsweise in der Haut.

Die Forscher konnten zeigen, dass Proteine aus der sogenannten Flotillin-Familie die Zelladhäsion in Hautzellen regulieren, indem sie den Zusammenbau und die Auflösung von Desmosomen regulieren. Dabei treten Flotilline in direkten Kontakt mit den sogenannten Desmogleinen, die als Haftproteine in Desmosomen dienen. Fehlen die Flotilline, werden Desmogleine verstärkt abgebaut. Verringert sich auf diese Weise die Menge von Desmogleinen in den Hautzellen, haften die Keratinozyten deutlich schwächer aneinander als in Anwesenheit von Flotillinen.

Bei der Pemphigus vulgaris beeinflussen die Autoantikörper die Lokalisation von Desmogleinen und von Flotillinen. Dies begünstigt vermutlich die Auflösung von Haftkontakten bei der Erkrankung. „Für die betroffenen Patienten kann das unter Umständen lebensbedrohliche Auswirkungen haben“, sagte Tikkanen.

Die Wissenschaftler hoffen jetzt, dass ihre Erkenntnisse über die molekularen Mechanismen bei Pemphigus vulgaris dazu beitragen, Wirkstoffe zu entwickeln, welche die Zellbindung von Keratinozyten bei der Autoimmunerkrankung verstärken und die Hautablösung dadurch verhindern.

hil

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