Wie Grippe-Impfungen länger wirken könnten

Boston – Neue Charakteristika der Grippeviren und der menschlichen Immunantwort haben Wissenschaftler um Stephen Harrison vom Children's Hospital Boston beschrieben.
Danach könnte ein Antikörper namens CH65 zur Entwicklung eines Impfstoffes beitragen, der nicht in jeder Grippesaison ersetzt werden muss. Die Forschungen der Gruppe sind in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) erschienen (doi 10.1073/pnas.1111497108).
Zwei entscheidende Komponenten der äußeren Virushülle verändern sich von Grippesaison zu Grippesaison, nämlich die Neuraminidase und sogenanntes Hämagglutinin. Diese Antigendrift macht immer wieder veränderte Impfstoffe notwendig.
Der von der Arbeitsgruppe entwickelte Antikörper CH65 erweitert das Verständnis darüber, wie das Immunsystem auf die Viren reagiert und könnte nach Auffassung der Wissenschaftler dazu beitragen, einen Impfstoff zu entwickeln, der unabhängig von der jeweiligen Hämagglutin-Struktur vor den Viren schützt.
Die Wissenschaftler isolierten für ihre Studie Abwehrzellen einer Versuchsperson, die 2007 gegen Grippe geimpft worden war. Mit verschiedenen molekulargenetischen Methoden gewannen sie daraus eine Reihe von Antikörpern, die auf Hemagglutinine verschiedenen Generationen von Grippeviren reagierten. Der oben angesprochene Antikörper CH65 war der einzige, der auf 30 von 36 getesteten Virenpopulationen ansprach.
„Das zeigt uns, dass das menschliche Immunsystem sehr wohl in der Lage ist, Antikörper zu entwickeln, die gegen verschiedene Generationen von Influenza-Viren wirken“, sagte Harrison. Den Wissenschaftlern ist es nach eigenen Angaben gelungen, nachzuvollziehen, wie das Immunsystem des Spenders als Reaktion auf eine wiederholte Exposition mit verschiedenen Grippeviren gearbeitet hat.
Mit diesem Hintergrundwissen ist es laut Harrison möglich, Impfstoffe zu entwickeln, die das Immunsystem direkt dazu anregen, Antikörper mit einer breiteren Anti-Influenza-Wirkung zu bilden.
Vergangene Woche hatten britische und schweizerische Forscher in der Fachzeitschrift Science berichtet, dass sie den ersten menschlichen Antikörper entdeckt hätten, der alle Grippeviren vom Stamm A ausschalten könne. Der Antikörper namens F16 griff demnach das Hämagglutinin an allen 16 Unterarten dieses Stamms erfolgreich an.
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