Wie Immunzellen das HI-Virus erkennen
Berlin – Einen Mechanismus, mit dem bestimmte Immunzellen des Körpers – sogenannte dendritische Zellen – HIV-1 als Eindringling erkennen, hat eine internationale Arbeitsgruppe um Renate König beschrieben. König ist Leiterin der Forschungsgruppe „Zelluläre Aspekte von Pathogen-Wirt-Interaktionen“ des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). Die Ergebnisse sind in der Zeitschrift Cell erschienen.
Zusammen mit Forschern vom Sanford Burnham Medical Research Institute, La Jolla, Kalifornien, der University of Michigan und der Icahn School of Medicine at Mount Sinai, New York, entdeckten sie, dass dem Eiweiß Polyglutamin-Bindungsprotein 1 (PQBP1) bei der Erkennung von HIV eine wichtige Rolle zukommt. Sie wiesen nach, dass dieses Protein spezifisch retrovirale DNA erkennt und bindet.
Zwar liegt die Erbinformation von HIV als RNA vor. Bevor sie ins Genom der Wirtszelle integriert werden kann, muss sie jedoch zunächst in DNA umgeschrieben werden. PQBP1 erkennt diese DNA, bindet an sie und zudem noch an ein weiteres Protein, die sogenannte zyklische GMP-AMP-Synthase (cGAS). Durch diese Verbindung kann cGAS eine Signalkette anschalten, die das angeborene Immunsystem und im weiteren Verlauf das spezifische Immunsystem aktiviert. „Wir haben mit PQBP1 einen wichtigen Rezeptor identifiziert, der die Wahrnehmung des HIV-1 durch die Zelle und das Immunsystem vermittelt“, fasst König die Forschungsergebnisse zusammen. Ohne PQBP1 können die dendritischen Zellen das HI-Virus laut den Forschern nicht erkennen.
Dieser Mechanismus bietet einen potenziellen Ansatzpunkt für eine Therapie: „Ein Anschalten dieses Mechanismus durch ein Adjuvans könnte möglicherweise die Immunantwort gegen HIV im Körper verbessern und damit im Rahmen einer Immuntherapie eingesetzt werden“, erläutert König.
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