Wie sich Sport- und Bewegungstherapie bei krebskranken Kindern und Jugendlichen umsetzen lässt

Köln – Die Universitätskliniken in Essen und Köln untersuchen, wie sich Sport- und Bewegungstherapien bei krebskranken Kindern und Jugendlichen im klinischen Alltag umsetzen lässt.
Der Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses fördert das Projekt namens „BEPPO“ („Evaluation Bewegungs- und sporttherapeutischer Interventionen unter medizinischer Therapie in der pädiatrischen Onkologie“) mit rund 7,3 Millionen Euro über 3,5 Jahre. Projektpartner sind die Krankenkassen AOK Rheinland/Hamburg, Barmer, DAK-Gesundheit und Techniker Krankenkasse. Die Konsortialführung liegt beim Universitätsklinikum Essen.
Eine Krebserkrankung im Kindes- und Jugendalter bedeutet oft monatelange Klinikaufenthalte, belastende Therapien und deutlich weniger körperliche Aktivität. Der damit einhergehende Bewegungsmangel wirkt sich nicht nur auf Muskelkraft und Fitness aus, sondern kann auch den Verlauf der onkologischen Therapie selbst beeinflussen.
Trotz der wissenschaftlichen Hinweise auf ihre positiven Effekte ist Bewegungstherapie aktuell kein fester Bestandteil der kinderonkologischen Regelversorgung in Deutschland und wird nur in Ausnahmefällen von Krankenkassen erstattet.
„Bewegung ist weit mehr als ein netter Zusatz zur medizinischen Therapie – die wissenschaftliche Evidenz zeigt zunehmend, dass Bewegung Fatigue lindern, die Mobilität erhalten und Kindern sowie Jugendlichen ein Stück Autonomie und Normalität zurückgeben kann“, erläutert Freerk Baumann, Leiter der AG Bewegungsmedizin im Centrum für Integrierte Onkologie (CIO) der Uniklinik Köln und – gemeinsam mit Miriam Götte vom Universitätsmedizin Essen – Projektleiter von BEPPO.
Mit BEPPO möchte die Arbeitsgruppe belastbar zeigen, dass ein strukturiertes Bewegungsprogramm der aktuellen Regelversorgung überlegen ist. „Gelingt uns dieser Nachweis, wäre das ein entscheidender Schritt hin zu einer Versorgung, die junge Krebspatientinnen und -patienten nicht nur medizinisch, sondern auch körperlich und psychisch stärkt – und langfristig sogar Folgekosten durch Spätfolgen senken könnte“, so Baumann.
An BEPPO sollen deutschlandweit 346 Kinder und Jugendliche im Alter von drei bis 18 Jahren an 13 kinderonkologischen Zentren in Deutschland teilnehmen. Die Mitglieder der Interventionsgruppe erhalten nach der Diagnosestellung ein sechsmonatiges Bewegungsprogramm, das stationäre Einheiten im Krankenhaus, ambulante Angebote sowie digital begleitete Trainingseinheiten zu Hause kombiniert.
So werden die jungen Patienten während der Klinikaufenthalte und im häuslichen Umfeld kontinuierlich unterstützt. Ergänzt werden diese Einheiten durch vier familienorientierte Bewegungsberatungen.
„Bewegungsangebote haben in unserem Zentrum mittlerweile einen festen Platz, sie werden allerdings bislang ausschließlich durch unseren Förderverein finanziert. Unser gemeinsames Ziel ist es daher, diese wichtigen Therapiemaßnahmen dauerhaft in der Regelversorgung zu verankern“, betont Thorsten Simon, Leiter der Kinderonkologie an der Uniklinik Köln.
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