Wissen statt Mythen: Bundesärztekammer informiert über Verhütungsmethoden

Berlin – Falschinformationen und Mythen zum Thema Verhütung können sich über soziale Medien schneller verbreiten als früher. Dieses Problem greift die Stellungnahme „Kontrazeption – Bewertung unter medizinisch-wissenschaftlichen Gesichtspunkten“ auf, die der Vorstand der Bundesärztekammer (BÄK) auf Empfehlung des Wissenschaftlichen Beirats beschlossen hat und die im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht wurde.
Sie analysiert die gängigen hormonellen und nicht-hormonellen Verhütungsmethoden im Hinblick auf kontrazeptive Sicherheit, Risiken, Vorteile und den Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten und schafft damit eine belastbare Grundlage für Patienten, Ärzteschaft und Politik.
„Evidenzbasierte Informationen sowie eine neutrale, ergebnisoffene Beratung und Aufklärung zu Verhütungsmethoden sind heute relevanter denn je“, sagte BÄK-Präsident Klaus Reinhardt.
Im Internet und in den sozialen Medien stünden fundierte Inhalte neben Fehlinformationen, Werbung, einseitigen Darstellungen und Meinungen von Influencern ohne Fachwissen. „Nur wenn Frauen und Männer Zugang zu verlässlichem Wissen haben und die Vor- und Nachteile der einzelnen Optionen kennen, können sie die Verhütungsmethode wählen, die zu ihrer Lebenssituation passt.“
Ausdrücklich gehe es bei der Übersicht nicht darum, bestimmte Verhütungsmethoden zu favorisieren oder gesellschaftliche Entwicklungen zu bewerten, sagte Julia Gallwas, Federführende des zuständigen Arbeitskreises und stellvertretende Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats, dem Deutschen Ärzteblatt. „Vielmehr wollen wir dazu beitragen, dass individuelle Entscheidungen auch unter veränderten Informationsbedingungen auf einer verlässlichen Evidenzbasis getroffen werden können.“
Die BÄK fordert passende Beratungs- und Informationsangebote, auch damit Männer bei der Verhütung mehr Kompetenz entwickeln und mehr Verantwortung übernehmen können. Denn das Verhütungsverhalten hat sich gewandelt. Das Kondom hat die „Pille“ als meistgenutztes Verhütungsmittel abgelöst. Nach Daten des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) aus dem Jahr 2024 verhüten 51 Prozent der Paare zwischen 18 und 49 Jahren mit dem Kondom und 31 Prozent mit der „Pille“.
Die Stellungnahme geht auch darauf ein, dass in Deutschland pro Jahr ca. 900.000 abgegebene Einheiten von oralen Notfallkontrazeptiva („Pille danach“) durch öffentliche Apotheken registriert werden, und dies mit steigender Tendenz.
Anhand der dargestellten Zahlen müsse davon ausgegangen werden, dass die Entlassung der „Pille danach“ aus der Verschreibungspflicht in Deutschland seit dem 15. März 2015 mit dem Ziel, den Zugang zur Notfallverhütung zu beschleunigen, nicht zu einer signifikanten Reduktion von Schwangerschaftsabbrüchen geführt habe.
Zugleich wird Verhütung bis heute überwiegend als Aufgabe von Frauen wahrgenommen, für Männer stehen bisher nur das Kondom und die Vasektomie zur Verfügung. „Reproduktive Selbstbestimmung und Gesundheit betreffen aber beide Geschlechter. Eine stärkere Einbindung und Aufklärung von Jungen und Männern ist essenziell, um die Anwendung sicherer Verhütungsmethoden zu fördern“, so Gallwas.
Viele Ärztinnen und Ärzte beschäftigt das Thema Kontrazeption, wie 2025 beim 129. Deutschen Ärztetag deutlich wurde. Er befasste sich mit den ärztlichen Perspektiven zum Schwangerschaftsabbruch und diskutierte dabei auch intensiv über die Prävention ungewollter Schwangerschaften.
Angesichts dieser regen Debatte beschloss der Vorstand der Bundesärztekammer, das Thema Verhütung eingehender zu beleuchten und einen Arbeitskreis ‚Kontrazeption – Bewertung unter medizinisch-wissenschaftlichen Gesichtspunkten‘ des Wissenschaftlichen Beirats einzurichten. Die Stellungnahme ist nun das Resultat.
„Von besonderer Bedeutung sind die ärztliche und schulische Aufklärung. Auch die Stärkung der Gesundheits- und Medienkompetenz ist notwendig“, ergänzt Michael Hallek, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats.
Die BÄK spricht sich dafür aus, evidenzbasierte, zielgruppengerechte Informationsangebote zu Fortpflanzung und Verhütung zu fördern und auszubauen. Ärztinnen und Ärzte könnten etwa über ihre Webseiten und Social-Media-Kanäle auf solche Angebote verweisen, um Desinformation entgegenzuwirken.
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