Wissen über Atemwegserkrankungen in Deutschland lückenhaft
Berlin – Atemwegserkrankungen gehören zwar weltweit zu den häufigsten Todesursachen, doch das Wissen über sie ist in der Öffentlichkeit lückenhaft. Das zeigt eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag des Wissenschaftsjahres 2011 – Forschung für unsere Gesundheit.
Fast unbekannt ist die obstruktive Lungenerkrankung. 86 Prozent der Deutschen können der Studie zufolge mit der Buchstabenkombination COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease) nichts anfangen.
Dabei handelt es sich laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) um die weltweit vierthäufigste Todesursache. Experten des Kompetenznetzes Asthma/COPD gehen von ungefähr vier Millionen Betroffenen allein in Deutschland aus.
„Auffällig ist, dass fast doppelt so viele Frauen (17 Prozent) wie Männer (9 Prozent) die Krankheit einordnen konnten“, so Claus Vogelmeier, Leiter des Kompetenznetzes Asthma/COPD. Zudem bestehe unter jungen Menschen massiver Aufklärungsbedarf. Nur sechs Prozent der 18- bis 29-Jährigen definierten laut Umfrage die Krankheit korrekt.
Lediglich ein Prozent aller Befragten brachte sie mit Raucherhusten in Verbindung. „COPD geht in praktisch allen Fällen auf eine massive, langdauernde Belastung der Atemwege mit Schadstoffen zurück“, sagte Vogelmeier. Das sei heute in Europa überwiegend das Rauchen.
Hingegen sind andere Lungen- und Atemwegserkrankungen den Deutschen deutlich vertrauter als COPD, so die Forsa-Umfrage. Am bekanntesten ist Lungenkrebs, den 60 Prozent der Befragten spontan als Lungenkrankheit nannten. Es folgen Asthma (48 Prozent), chronische Bronchitis (44 Prozent), Lungenentzündung (32 Prozent) und Tuberkulose (26 Prozent).
Zu den Risikofaktoren von Lungen- und Atemwegserkrankungen zählt die Mehrzahl der Befragten das Rauchen (89 Prozent) und Luftschadstoffe wie Staub oder Feinstaub (60 Prozent).
Andere Ursachen wie Infektionen, genetische Veranlagung, ungesunde Ernährung oder auch Allergien wurden kaum genannt. „Dazu passt, dass lediglich jeder zehnte Befragte angab, sich Sorgen zu machen, im Laufe des Lebens an einer Allergie zu erkranken, die die Lunge beeinträchtigt“, erklärte Vogelmeier.
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