Medizin

World Health Day: Weltweit 422 Millionen Diabetiker

  • Mittwoch, 6. April 2016
Uploaded: 06.04.2016 21:51:40 by mis
dpa

London - Die Zahl der Menschen mit Diabetes hat sich seit 1980 fast vervierfacht. Laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation, die anlässlich des World Health Day 2016 im Lancet (2016; doi: 10.1016/S0140-6736(16)00618-8) publiziert wurde, gibt es weltweit 422 Millionen Diabetiker im Erwachsenenalter, die meisten davon leben in Entwicklungs- und Schwellenländern.

Der verbreitete Eindruck, nach dem der Typ 2-Diabetes vor allem ein Problem der reicheren Länder ist, täuscht. Auch in vielen ärmeren Ländern und den Schwellen­staaten ernähren sich die meisten Menschen ungesund und körperlich anstrengende Tätigkeiten werden zunehmend seltener. Tatsächlich ist die Diabetesprävalenz in Nordwesteuropa (dazu zählen neben der Schweiz, Österreich, Dänemark, Belgien und den Niederlanden auch Deutschland) mit 4 Prozent bei den Frauen und 5 bis 6 Prozent bei den Männern weltweit gesehen am niedrigsten. (Nach den Ergebnissen der Deut­schen Er­wach­senen­gesund­heits­studie DEGS1 ist die Zahl etwas höher: 7,2 Prozent der 18- bis 79-Jäh­ri­gen Erwachsenen erkrankt in Deutsch­land im Verlauf des Lebens an einem Diabetes).

Am höchsten ist die Diabetesprävalenz im Südpazifik, mithin einer Region, die im Ruf einer Urlaubsidylle steht mit einer bodenständigen Bevölkerung, die sich von heimischen Produkten ernährt. Weit gefehlt: Die Diabetesprävalenz in Polynesien und Mikronesien liegt (nach Anpassung an die Lebenserwartung) bei Frauen und Männern bei über 20 Prozent. Auf Amerikanisch-Samoa hat fast ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung einen Diabetes.

Dennoch ist der Diabetes ein Wohlstandsphänomen. Den größten Anstieg seit 1980 verzeichnen Indien und China – beides Länder, die in den letzten Jahrzehnten wirtschaftlich aufgeholt haben. Parallel stieg die Diabetes-Prävalenz vor allem bei Männern von 3,7 auf 9,1 Prozent in Indien und von 3,5 auf 9,9 Prozent in China. Der Anstieg bei den Frauen war in China von 5,0 auf 7,6 Prozent und in Indien von 4,6 auf 8,3 Prozent weniger stark ausgeprägt. Die Hälfte aller Diabetiker lebt heute in China, Indien, USA, Brasilien und Indonesien.

Global ist der Anteil der Diabetiker an den Erwachsenen bei den  Männern von 4,3 auf 9,0 Prozent und bei den Frauen von 5,0 auf 7,9 Prozent gestiegen. Die Zahlen, die ein Team um Majid Ezzati vom Imperial College London für die Weltgesundheits­organisation erstellt hat, dürfen als zuverlässig eingestuft werden. Die Forscher stützen sich auf 751 bevölkerungs-basierte Studien mit 4,3 Millionen Teilnehmern aus 146 von 200 Staaten der Erde.

Das Ziel der WHO, die Rate der nicht-übertragbaren Erkrankungen zu stoppen und bis zum Jahr 2025 auf das Niveau von 2010 zu senken, ist so gut wie nicht mehr zu erreichen. Ezzati stuft die Chancen auf 1 Prozent ein, bei Männern noch darunter. Die Studie machte keine Unterscheidung zwischen Typ 1- und Typ 2-Diabetes. Weltweit entfallen jedoch 85 bis 95 Prozent auf den Typ 2, der auf dem Boden einer genetischen Anfälligkeit vor allem Folge eines ungesunden Lebensstils ist.

rme

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