Medizin

Wundinfektionen nach Darmoperationen am häufigsten

  • Freitag, 1. November 2013
Uploaded: 16.01.2013 15:18:04 by mis
dpa

Stockholm – Nach jeder zehnten Dickdarmoperation kommt es an europäischen Kliniken zu einer Wundinfektion. Die Rate ist zehnmal so hoch wie nach orthopädischen Operationen, deren Erfolg laut einem Surveillance-Report des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) am seltensten durch Keime gefährdet wird.

Der jetzt vorgestellte Report fasst die Daten von fast 390.000 Operationen zusammen, die in den Jahren 2010 und 2011 an mehr als 1.500 Kliniken aus 15 europäischen Ländern durchgeführt wurden. Er ist allerdings alles andere als repräsentativ, da die Daten nirgends umfassend erhoben werden, noch die Methoden für alle Länder bisher angeglichen wurden.

Außerdem basiert er auf den freiwilligen Angaben der Kliniken, wie Jolanta Griškevičienė und Mitarbeiter vom ECDC aus Stockholm berichten. Die europäische Einigung ist also auf dem Feld der Krankenhaushygiene noch nicht weit vorangeschritten. Ein Vergleich der einzelnen Länder wäre nicht seriös, und wissenschaftlich aussagekräftig wäre die Analyse erst, wenn die Infektionsrate mit Präventionsmaßnahmen in Beziehung gesetzt würde. Dennoch enthält der Report einige interessante Informationen.

In allen Ländern treten Wundinfektionen am häufigsten nach Eingriffen am Kolon auf. Europaweit betrug die Rate 9,5 Prozent. Bei der Hälfte handelte es sich allerdings um oberflächliche Infektionen, die in der Regel leicht behandelt werden können. Es folgen tiefe inzisionale Infektionen, die sich oft problemlos revidieren lassen.

Immerhin 20 Prozent aller Wundinfektionen nach Kolonoperationen traten in tieferen Schichten oder am Darm auf. Der Trend ist in einigen Ländern positiv, darunter Deutschland, und ein wichtiger Faktor scheint das minimal-invasive Operieren zu sein. Nach endoskopisch durchgeführten Operationen betrug die Wundinfektionsrate 7,1 Prozent, nach offenen Operationen 10,1 Prozent.

Noch deutlicher ist der Vorteil bei der Cholezystektomie. Hier kam es nach einer laparoskopischen Operation nur in 1,0 Prozent der Fälle zu einer Wundinfektion, nach der offenen Operation betrug die Rate 4,1 Prozent. Offen bleibt, welcher Anteil auf das endoskopische Operieren zurückzuführen ist. Ein anderer Grund könnte sein, dass bei Risikopatienten von vornherein ein offener Zugang gewählt wird.

Auf den ersten Blick relativ hoch ist auch die Rate von Wundinfektionen nach Kaiser­schnitt. Der Report gibt sie mit 2,9 Prozent an. Es handelte sich dabei aber zu 87 Prozent um oberflächliche und in 10 Prozent um tiefe inzisionale  Wundinfektionen. Organ­infektionen sind nach Kaiserschnitt die Ausnahme.

Etwas riskanter sind in dieser Beziehung koronare Bypass-Operationen. Die ECDC kommt auf eine Häufigkeit von Wundinfektionen von 3,5 Prozent, von denen fast jede sechste das Herz und die Umgebung betraf.

Am seltensten sind Wundinfektionen nach orthopädischen Operationen. Nach Hüftgelenkersatz liegt die Rate bei 1,0 Prozent, nach Knieendoprothese bei 0,7 Prozent und nach der Laminektomie an der Wirbelsäule waren es 0,8 Prozent. Bei allen drei Operationen entfällt etwa ein Fünftel auf den Knochen und seine Umgebung.

rme

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