Politik

Zwei Drittel aller Kliniken suchen Ärzte

  • Dienstag, 18. August 2009
Krankenhaus346_dpa
dpa

Berlin – In den 2.087 Kliniken in Deutschland fehlen laut Deutscher Kranken­haus­gesell­schaft (DKG) rund 4.000 Ärzte. Der Anteil der Krankenhäuser, die offene Stellen im ärztlichen Dienst nicht oder nur schwer besetzen können, sei zwischen 2006 und 2008 von 28 Prozent auf 67 Prozent angestiegen. „Wenn nicht konsequent gegengesteuert wird, müssen bald zahlreiche Kliniken Abteilungen schließen“, befürchtet DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum.

Er sieht einen wesentlichen Grund für den Ärztemangel in der 2002 beschlossenen Reform der Approbationsordnung, die Studienkapazitäten deutlich reduzierte. „Diese künstliche Verknappung ist umso fataler, als die Mediziner längst auch in anderen Wirtschaftszweigen vermehrt tätig sind“, so Baum.

Er fordert, Studienplatzkapazitäten auszuweiten sowie die Hochschulen personell und finanziell besser auszustatten, um dem benötigten Nachwuchs die gewünschte Ausbildung zu ermöglichen. Hatten sich 2002 auf 10.537 Studienplätze noch 35.385 Studierwillige beworben, mussten 2007 bereits 48.105 Bewerber um nur noch 9.907 Studienplätze konkurrieren.

Der Marburger Bund (MB) warnt hingegen davor, den Ärztemangel auf ein Studienplatzproblem zu reduzieren. „Die Forderung der DKG, die Studienplatzkapazitäten in der Medizin auszuweiten, geht in die richtige Richtung, greift aber zu kurz“, so MB-Vorsitzender Rudolf Henke. Der Effekt einer solchen Maßnahme trete erst nach acht bis zehn Jahren ein. Für die aktuellen Probleme bei der Stellenbesetzung sei der DKG-Vorstoß keine Lösung. „Das beste Mittel gegen Ärztemangel sind immer noch attraktive Arbeitsplätze“, betont Henke.

hil

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