Vermischtes

Zweijähriger Junge an EHEC gestorben

  • Dienstag, 14. Juni 2011

Berlin – Der aktuellen EHEC-Epidemie ist erstmals ein Kind zum Opfer gefallen. Ein zweijähriger Junge aus dem Landkreis Celle starb am Dienstag in der Medizinischen Hochschule Hannover, wie das niedersächsische Gesundheitsministerium erklärte. Die Zahl der Neuerkrankungen geht dem Robert-Koch-Institut (RKI) zufolge unterdessen zurück. Die EHEC-Welle ebbe bundesweit ab, sagte Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder, der mit Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (beide CSU) einen Betrieb in Nürnberg besuchte.

Der Junge sei am Montag vergangener Woche vom Krankenhaus in Oldenburg nach Hannover verlegt worden, sagte ein MHH-Sprecher. Von Anfang an sei der Zustand des Kindes, das am Hämolytisch-Urämischen Syndrom (HUS) litt, kritisch gewesen. In der Familie des Kindes gebe es weitere EHEC-Fälle. Der Vater und zwei Geschwister des Jungen sollen an EHEC erkrankt sein. Sie befinden sich nach Angaben des Landkreises aber inzwischen auf dem Weg der Besserung.

Seit Anfang Mai sind damit mindestens 36 Menschen in Deutschland an EHEC oder HUS gestorben. Außerdem erlag eine Schwedin, die mit einer Touristengruppe in Norddeutschland unterwegs war und sich offenbar dort infizierte, der Erkrankung.

Das RKI teilte mit, dass seit einigen Tagen Erkrankungen am HUS oder an EHEC auf deutlich niedrigerem Niveau übermittelt würden. Drei Viertel der gut 3.200 EHEC/HUS-Fälle seien in Schleswig-Holstein/ Hamburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen aufgetreten. Betroffen seien aber alle Bundesländer. Die höchste Zahl an EHEC/HUS-Fällen registrierte die Behörde im Zeitraum vom 21. bis 23. Mai. Seitdem sei ein kontinuierlicher Rückgang zu beobachten.

Der Ursprung der EHEC-Quelle ist noch nicht ganz geklärt. Es konkretisierte sich der Verdacht, dass der gefährliche Erreger des Stamms O104:H4 über Sprossen eines niedersächsischen Betriebes verbreitet wurde. Unklar ist noch, wie das Bakterium auf den Hof gelangte. Möglicherweise war das Saatgut verunreinigt.

Die EHEC-Krise hatte zu dramatischen Umsatzeinbrüchen bei den Gemüsebauern geführt. Nach der Aufhebung der Verzehrwarnung für Gurken, Tomaten und Salat am vergangenen Freitag hoffen die Erzeuger nun wieder auf steigende Verkaufszahlen.

Nach Einschätzung der Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse (BVEO) wird es aber noch einige Tage dauern, bis sich die Lage auf dem Gemüsemarkt normalisiert hat. Dann würden die Verbraucher hoffentlich wieder mit vollen Händen zugreifen, sagte BVEO-Geschäftsführer Karl Schmitz.

Bauernverbands-Präsident Gerd Sonnleitner bekräftigte seine Forderung nach weiteren EHEC-Hilfen für die betroffenen Landwirte. Die Gemüsebauern hätten EU-weit Verluste zwischen 500 und 600 Millionen Euro gemacht, sagte er am Dienstag im SWR. Da würden die 210 Millionen Euro an Hilfe, die die EU anbietet, bei weitem nicht ausreichen. Zudem hofft Sonnleitner auf zusätzliche Hilfe von Bund und Ländern.

Aigner sicherte den Bauern, die wegen der EHEC-Krise ihre Produkte nicht verkaufen konnten, rasche Hilfe zu. Wegen der anfänglichen Warnung vor bestimmten Produkten und der Angst der Verbraucher vor rohem Gemüse haben die Bauern teils massive wirtschaftliche Einbußen erlitten.

dapd/afp

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