Politik

205 Arztpraxen liegen im Berliner Stromausfallgebiet

  • Dienstag, 6. Januar 2026
Ein Kraftstoffcontainer vom Technischen Hilfswerk (THW) wird auf einem Betriebshof vom THW von einem Tankwagen der Bundeswehr getankt. /picture alliance, Christophe Gateau
Ein Kraftstoffcontainer vom Technischen Hilfswerk (THW) wird auf einem Betriebshof vom THW von einem Tankwagen der Bundeswehr getankt. /picture alliance, Christophe Gateau

Berlin – Vom großflächigen Stromausfall im Südwesten Berlins sind auch ambulante medizinische Einrichtungen betroffen. Wie viele Praxen tatsächlich für die Versorgung ausgefallen sind, ist aber noch unklar.

Die Kassenärztliche Vereinigung Berlin (KV Berlin) versuche derzeit „zu klären, ob und in welchem Umfang der Praxisbetrieb eingeschränkt ist, ob es zu Praxisschließungen kommt oder ob Schäden entstanden sind“, hieß es heute in einer Mitteilung. Das betrifft demnach zum Beispiel nicht mehr verwendbare Medikamente und Impfstoffe infolge ausgefallener Kühlung oder mögliche Frostschäden.

Dank der guten Zusammenarbeit mit dem Krisenstab der Berliner Senatsverwaltung habe die KV Berlin die in den betroffenen Bereichen ansässigen Arzt- und Psychotherapiepraxen identifiziert.

Insgesamt befinden sich demnach 205 Praxen im Stromausfallgebiet, darunter überwiegend hausärztliche Praxen. Nicht alle dieser Praxen seien aber „tatsächlich vom Stromausfall betroffen“, so die KV. Nach aktuellem Stand hätten einige Praxen einen Notbetrieb für ihre Stammpatienten eingerichtet.

Um die ambulante medizinische Versorgung zusätzlich abzusichern, hat die KV Berlin ihre Notdienstpraxis im Krankenhaus Charité Campus Benjamin Franklin geöffnet. Zusätzlich zu den regulären Öffnungszeiten ist die Notdienstpraxis am Mittwoch, den 7. Januar, und am Donnerstag, den 8. Januar, jeweils von 10 Uhr bis 18 Uhr durchgängig besetzt.

Darüber hinaus ist der fahrende Hausbesuchsdienst des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes (ÄBD) der KV Berlin weiterhin in den betroffenen Gebieten im Einsatz. Die KV Berlin bittet Patientinnen und Patienten um Verständnis, dass es in der aktuellen Situation zu Verzögerungen kommen kann.

Praxen, die aufgrund des Stromausfalls keine medizinische Versorgung gewährleisten können, sind gebeten, über einen Praxisaushang zu informieren. In der aktuellen Lage empfiehlt die KV Berlin den Praxen zudem, Menschen mit dringendem ambulantem Behandlungsbedarf an Praxen in nicht betroffenen Ortsteilen oder angrenzenden Bezirken zu verweisen.

Derzeit sind in Berlin noch rund 25.500 Haushalte und 1.200 Geschäfte und Unternehmen auch am vierten Tag ohne Strom. Am vergangenen Samstagmorgen waren es zunächst 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen. Bis alle Betroffenen wieder am Netz sind, wird es nach Angaben eines Sprechers des Betreibers Stromnetz Berlin etwa bis übermorgen Nachmittag dauern.

Damit handelt es sich laut Stromnetz um den längsten Stromausfall in der Hauptstadt seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Der Blackout vom September 2025 im Berliner Südosten hatte rund 60 Stunden gedauert. Die Dimension des damaligen Stromausfalls sei vergleichbar mit dem aktuellen Fall, so der Sprecher des Betreibers. Damals waren rund 50.000 Stromkunden betroffen.

Pflegeeinrichtungen wieder versorgt

Laut Betreiber sind inzwischen alle 74 betroffenen Pflegeeinrichtungen wieder mit Strom versorgt. Aktuell seien rund „35 sehr große Notstromaggregate im Einsatz“. Unterstützung kam aus Nordrhein-Westfalen: Nach Angaben eines Sprechers der Berliner Feuerwehr trafen fünf Notstromersatzanlagen in der Nacht ein und wurden angeschlossen. Bei Transport, Aufbau, Anschluss und Dieselversorgung solcher mobiler Anlagen hilft nun laut Innenverwaltung auch die Bundeswehr.

Auch die Stromversorgung für alle drei betroffenen S-Bahnhöfe ist laut Stromnetz wiederhergestellt. Das seien die Stationen Mexikoplatz, Nikolassee und Wannsee. Somit könnten die Bahnhöfe wieder genutzt werden. Die Züge der S1 und S7 fahren wieder im 20-Minuten-Takt, wie eine Sprecherin der Deutschen Bahn mitteilte. Nach und nach öffnen auch mehr Supermärkte.

Tausende Menschen harren in Kälte aus

Viele Tausend Menschen müssen jedoch weiter ohne Strom und Wärme in dunklen und kalten Wohnungen oder in Ausweichquartieren ausharren. Manche sind in Hotels gegangen, andere wärmen sich tagsüber in Notquartieren oder anderen Anlaufstellen auf. Sie können dort auch etwas essen und trinken und ihr Handy aufladen. Etwa 20 Schulen bleiben den zweiten Tag in Folge geschlossen.

Um möglichst alle Menschen zu erreichen, gehen Mitarbeiter von Ordnungsämtern, der Polizei, der Malteser und anderen Besuchsdiensten seit vorgestern von Tür zu Tür.

Betroffenen werden die Kosten für Hotelzimmer erstattet, wie Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) auf der Plattform X mitteilte. Der Senatsverwaltung für Wirtschaft zufolge gilt das für entsprechende Partnerhotels der Berliner Tourismusagentur Visit Berlin.

Bisher konnten solche Zimmer in Hotels, Hostels und Pensionen bereits zu Sonderkonditionen gebucht, mussten aber selbst bezahlt werden. Nun kann die Hotelrechnung beim Sozialamt des Bezirks Steglitz-Zehlendorf eingereicht werden.

Ursache des Stromausfalls war ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke im Bezirk Steglitz-Zehlendorf, zu dem sich eine linksextremistische Gruppierung bekannte.

may/dpa

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