Änderungen der ärztlichen Approbationsordnung: Verbände warnen vor Stückwerk

Berlin – Der Gesetzgeber arbeitet im Augenblick an einer Änderung der ärztlichen Approbationsordnung. Trotz Zustimmung in Teilbereichen gibt es aus der Ärzteschaft auch Kritik.
„Gut ist, dass der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) schnellstmöglich stärker in das Studium integriert werden soll. Auch die dauerhafte Festschreibung digitaler Lehrformate in der Approbationsordnung finden wir sinnvoll, solange sie einen tatsächlichen Mehrwert schafft“, erklärten Anna Finger und Philip Simon, Vorsitzende des Ausschusses der Medizinstudierenden des Hartmannbundes (HB).
Sie warnen aber davor, dabei stehenzubleiben. „Niemand darf denken, dass die überfällige Reform der Approbationsordnung mit diesen Änderungen bereits erledigt ist. Wir brauchen nach wie vor unter anderem eine festgeschriebene Aufwandsentschädigung in Höhe des BAföG-Höchstsatzes im Praktischen Jahr, eine gerechte Fehlzeitenregelung und vor allem die zeitnahe Umsetzung des Masterplans 2020“, so Finger und Simon.
Der Marburger Bund (MB) betont in seiner Stellungnahme zum Referentenentwurf, digitale Lehre dürfe den Präsenzbetrieb nicht ersetzen, sondern könne ihn lediglich ergänzen. Vor allem in den ersten Semestern des Medizinstudiums müsse es das Ziel sein, soziale Isolation zu vermeiden und Kommunikation zwischen Lehrenden und Studierenden zu fördern. Der MB plädiert daher dafür, den Grundsatz „Präsenzbetrieb vor digitaler Lehre“ nicht allein in der Begründung des Entwurfs auszuführen, sondern direkt in den Verordnungstext zu übernehmen.
Der Verband lobt indes, dass das Ministerium eine Anregung des MB aufgegriffen habe, ein Logbuch für das Praktische Jahr in digitaler Form zu ermöglichen. „Wünschenswert wäre es, wenn dieses Instrument bundesweit einheitlich verfügbar wäre, um den Studierenden mehr Rechtssicherheit zu geben“, hieß es aus dem MB.
Der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) hatte im Mai dieses Jahres darauf gedrängt, die ärztliche Ausbildung neu zu ordnen. „Eine Reform des Medizinstudiums, die dem ÖGD mehr Gewicht verleiht, ist dringend notwendig“, sagte deren Vorsitzende Ute Teichert.
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: