Ärzteschaft

Ärzte für Impfpflicht in Kindergärten und Schulen

  • Montag, 23. Februar 2015
Uploaded: 23.02.2015 18:13:06 by mis
dpa

Hamburg/Berlin/Mainz – Nach dem Tod eines kleinen Kindes in Berlin nach einer Masernerkrankung, haben sich die Ärzte in Deutschland für eine verpflichtende Impfung ausgesprochen. „Aus medizinischen Gründen spricht alles für eine solche Pflicht“, sagte der Präsident der Bundesärztekammer und der Ärztekammer Hamburg, Frank Ulrich Montgomery. Der tragische Tod des kleinen Jungen zeige, wie wichtig dieses Vorhaben sei. Deutschland habe sich gegenüber der Weltgesundheitsorganisation WHO eigentlich verpflichtet, die Masern bis zu diesem Jahr zu eliminieren. „Davon sind wir leider weit entfernt“, sagte der BÄK-Präsident.

Es ist unverantwortlich, seine Kinder nicht zu impfen, weil...

Die Aufforderung zur Impfung gelte aber nicht nur Eltern von kleinen Kindern, sondern auch allen übrigen Erwachsenen. „Jeder sollte seinen Masern-Schutz überprüfen. Erwachsene sind ebenso wie sehr kleine Kinder besonders gefährdet für komplizierte Krankheitsverläufe, wenn sie sich anstecken“, so Montgomery.

Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit
„Dieser sehr traurige Fall zeigt deutlich, dass es sich bei Masern nicht um eine harmlose Kinderkrankheit handelt“, erklärte der Präsident der Ärztekammer Berlin, Günther Jonitz. Kleinkinder sollten ab dem elften Lebensmonat gegen Masern geimpft werden. In Anbetracht von augenblicklich mehr als 500 Masernerkrankungen – dem größten Masernausbruch seit 2001 in Deutschland – sei eine Impfpflicht kein Eingriff in Persönlichkeitsrechte, sondern diene dem Schutz der Bevölkerung, insbesondere dem Schutz von Kindern. „Der Gesetzgeber sollte seine Aufgabe des Bevölkerungsschutzes ernst nehmen und mutig entsprechende Maßnahmen einleiten“, forderte Jonitz.

Auch der Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, Jan Schulze, appelliert an alle Eltern, ihre Kinder frühzeitig gegen Masern impfen zu lassen. „Eltern sollten bedenken, dass sie im Fall einer Nichtimpfung nicht nur ihr eigenes Kind gefährden, sondern auch andere Kinder und Erwachsene der Gefahr einer lebensbedrohlichen Ansteckung aussetzen“, warnte er.

Die Kammer Rheinland-Pfalz hat an alle Ärzte appelliert, in der augenblicklichen Situation die Patienten noch intensiver als sonst auf eventuell bestehende Impflücken hinzuweisen und den Impfschutz herzustellen oder wieder aufzufrischen.

Als „Katastrophe aus medizinischer Sicht” bezeichnete der Berliner Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Jakob Maske, den Ausbruch in der Hauptstadt. Kleine Kinder unter einem Jahr seien besonders gefährdet: „Diese Gruppe kann man nur schützen, wenn das Umfeld geimpft ist.” Sind Mütter von Kleinkindern nicht geimpft oder verfügen sie nur über wenige Antikörper, die sie etwa beim Stillen weitergeben, greift der sogenannte Nestschutz nicht. Unter elf Monaten sollen Kleinkinder nicht gegen Masern geimpft werden.

Bei Schülern seien die Impfraten in Berlin nicht schlechter als anderswo, sagte die amtierende Leiterin des Fachbereichs Impfprävention am Robert Koch-Institut, Anette Siedler. Allerdings bestehe bei der zweiten Masern-Impfung noch Nachholbedarf. Ausbrüche in Berlin sieht sie weniger in Zusammenhang mit Impfverweigerern: Die Großstadt mit ihren Großveranstaltungen und dem Zusammenleben vieler Menschen auf engem Raum biete der Krankheit eher einen Nährboden.

hil

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