Ärzte und Apotheker: Für eine bessere Arzneimittelversorgung

Berlin – Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) haben am Dienstag ihr seit längerem diskutiertes Konzept für eine patientengerechte Arzneimittelversorgung vorgestellt.
„Ärzte und Apotheker zeigen mit diesem Konzept, wie sie zukünftig gemeinsam die Arzneimittelversorgung für die Patienten verbessern wollen“, erklärten KBV-Vorstand Carl-Heinz Müller und ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf in Berlin.
Das Konzept sieht unter anderem vor, dass Ärzte zukünftig Wirkstoff, Stärke, Menge und Darreichungsform eines verordneten Medikaments festlegen, aber nicht mehr das konkrete Präparat. Auf allen Arzneimittelpackungen soll deutlich lesbar der Name des Wirkstoffs verzeichnet sein.
Grundlage für Verordnungen ist ein Medikationskatalog auf Wirkstoffbasis, der eine leitliniengerechte Versorgung sicherstellt. Der Apotheker wählt dann das Präparat aus und gibt es nach einer Beratung an den Patienten ab. Der Patient erhält außerdem einen Medikationsplan, der ihm genau anzeigt, welches Arzneimittel er in welcher Dosierung wann und wie lange einnehmen soll.
Problem Compliance
Eines der häufigsten Probleme in der Arzneimitteltherapie sei die fehlende Compliance der Patienten, erklärte Müller. „Bei Langzeittherapien liegt die Einnahmetreue bei lediglich 50 Prozent“. Aufgrund der Rabattverträge sei es für den Patienten derzeit zudem häufig undurchsichtig, wann und warum er ein anderes als das verschriebene Präparat bekomme.
„Wir erleben, dass gleiche Arzneimittelwirkstoffe unter verschiedenen Namen am gleichen Tag mehrmals eingenommen werden“, sagte Müller. „Die tägliche Praxis zeigt, dass die Versicherten mit dem Austausch überfordert sind.“
Je mehr Medikamente ein Patient einnehme, desto größer sei außerdem das Risiko arzneimittelbezogener Probleme, sagte Wolf. „Fast sieben Millionen Patienten in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nehmen fünf oder mehr Arzneimittel in der Dauertherapie ein. Hinzu kommt noch die Selbstmedikation.“
Dadurch steige das Risiko unerwünschter Arzneimittelereignisse, die der Grund für etwa fünf Prozent aller Krankenhausaufnahmen seien. Bei geriatrischen Patienten seien es sogar bis zu 30 Prozent. Zwei Drittel dieser Fälle gelten als vermeidbar, sagte Wolf.
Das Konzept von KBV und ABDA beinhaltet darüber hinaus ein gemeinsames Medikationsmanagement. Es richtet sich an chronisch kranke Patienten, die mindestens fünf Arzneimittel dauerhaft einnehmen.
Jeweils ein Arzt und ein Apotheker sollen danach für ein Jahr gemeinsam die kontinuierliche Überwachung der Medikamenteneinnahme übernehmen. Sie erstellen und aktualisieren dafür unter anderem den vollständigen Medikationsplan. Arzneimittelrisiken ließen sich so besser vermeiden, hieß es.
Patienten und Kassen profitieren
Von dem neuen Modell profitierten nicht nur die Patienten, auch die Krankenkassen könnten viel Geld sparen, gab sich Wolf überzeugt: „Non-Compliance und unerwünschte Arzneimittelereignisse verursachen jährlich mehrere Milliarden Euro direkte Kosten, beispielsweise durch vermeidbare Krankenhauseinweisungen. Außerdem entsorgen wir jährlich Arzneimittel im Wert von über einer Milliarde Euro, weil sie nicht eingenommen wurden. Nach einer stufenweisen Einführung unseres Modells bis 2014 könnte die GKV pro Jahr 2,1 Milliarden Euro einsparen“, so der ABDA-Präsident.
In dieser Berechnung sind die Kosten für die zusätzlichen Leistungen von Ärzten und Apothekern bereits enthalten. Für das Medikationsmanagement setzen KBV und ABDA Gesamtkosten von 360 Euro pro Patient und Jahr an, die sich Arzt und Apotheker teilen würden.
Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung reagierte skeptisch. „Mit ihren Vorschlägen bauen Ärzte und Apotheker eine Nebelwand auf, hinter der es wieder nur um eine weitere Honorarerhöhung für beide geht”, erklärte Sprecher Florian Lanz. „Die Vorschläge führen nicht weiter, sondern beschreiben lediglich das, was eigentlich längst Standard sein sollte.” Auf Richtgrößen als Sparbremse für die Arzneimittelverordnung wollen die Kassen nicht verzichten.
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: