Ärzte warnen vor Direktzugang von Patienten zu Heilmittelerbringern

Berlin – Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat erneut davor gewarnt, Patienten ohne ärztliche Verordnung Physiotherapeuten, Logopäden und andere Heilmittelerbringer aufsuchen zu lassen. Ein aktuelles Positionspapier der CDU/CSU kündigt an, einen solchen Direktzugang zu prüfen. Die Heilmittelbringer könnten die Patienten dann auch ohne die Verordnung zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung behandeln.
„Nur der Arzt kennt die komplette Krankheitsgeschichte seiner Patienten. Gerade die Diagnose und Indikationsstellung müssen in ärztlicher Hand bleiben“, sagte Regina Feldmann, Vorstand der KBV. Die Ärzte seien gerne bereit, über Entlastungen und eine intensive Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen zu sprechen, aber der ungesteuerte Direktzugang von Patienten zu Heilmittelerbringern sei „dafür nicht zielführend“, so Feldmann.
Sie wies daraufhin, dass die Mehrzahl der Patienten, die Heilmittel benötigten, an komplexen Erkrankungen leide. Sie bedürften einer besonderen differenzialdiagnostischen ärztlichen Begutachtung. „Ärzte haben hier eine unverzichtbare Koordinierungsrolle. Entfällt diese durch einen unsteuerbaren Direktzugang, so ist auch zu hinterfragen, wer die Gesamtverantwortung für eine Behandlung trägt. Dies kann nicht im Interesse der Patienten liegen“, sagte Feldmann.
Auf offene Haftungsfragen wies KBV-Vorstandsvorsitzende Andreas Gassen hin. „Geklärt werden muss in diesem Zusammenhang auch, bei wem die Haftung für die Folgen einer Behandlung liegt. Nicht zu Letzt wäre auch festzulegen, wer die Budgetverantwortung für diese Behandlungen trägt“, sagte er.
Auch der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery hatte sich gegenüber der Rheinischen Post kritisch zu dem Direktzugang geäußert. Er gab dafür ein Beispiel aus der Physiotherapie: „Eine Bewegungstherapie ist beispielsweise bei einem schweren Bandscheibenvorfall nicht angezeigt. Die Diagnose und Behandlung ist Sache des Arztes und muss es auch aus Patientenschutz heraus bleiben“, betonte der BÄK-Präsident.
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