Ärzte wünschen sich zur Europawahl weniger Einmischung

Berlin – Die Europäische Union (EU) sollte sich weniger in die nationalen Gesundheitssysteme einmischen. Das fordern die Bundesärztekammer (BÄK) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) in einem Sechs-Punkte-Positionspapier zur Europawahl.
„Wir brauchen ein starkes europäisches Parlament und eine Kommission, der das Wohlergehen der Menschen mehr am Herzen liegt, als Konzernbilanzen“, sagte BÄK-Präsident Frank Ulrich Montgomery. Es gehe darum, das Vertrauen der Bürger in die EU zurückzugewinnen, betonte er. Das könne aber nicht gelingen, wenn Brüssel weiter in die gesundheitspolitischen Kompetenzen der Mitgliedsstaaten eingreife, um seinen marktwirtschaftlich motivierten Liberalisierungskurs voranzutreiben.
Auch die KBV dringt darauf, dass Brüssel die Individualität der Gesundheitsversorgung in den Mitgliedstaaten stärker berücksichtigt. „Im Sinne der Akzeptanz von Beschlüssen und Maßnahmen aus Brüssel ist es unverzichtbar, den Besonderheiten der Mitgliedsländer gerade im Sozial- und Gesundheitswesen ausreichend Rechnung zu tragen“, sagte der KBV-Vorstandsvorsitzende Andreas Gassen. Denn diese würden von den Bürgern sehr geschätzt. So zeigten beispielsweise alle Studien, dass die Menschen in Deutschland mit ihrem Gesundheitswesen insgesamt sehr zufrieden seien.
Grundsätzlich begrüßen BÄK und KBV aber die Fortschritte in der Gesundheitsversorgung, die die EU ermöglicht hat. „Hierzu zählen etwa Arbeitsbedingungen, berufliche Mobilität, grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung sowie sicherere und besser verfügbare Arzneimittel“, heißt es in dem Positionspapier, in dem KBV und BÄK auch auf eine Reihe von Einzelaspekten eingehen.
Aus- und Weiterbildung abgelehnt
So lehnen BÄK und KBV zum Beispiel in dem Positionspapier eine einheitliche europäische Aus- und Weiterbildungsordnung für Ärzte ab. Eine solche würde den unterschiedlichen Erfordernissen der Patientenversorgung in den Mitgliedstaaten nicht gerecht.
Sie betonen zudem, die Mitgliedstaaten müssten für die Ausbildung einer ausreichenden Zahl von Ärzten und anderen Angehörigen von Gesundheitsberufen Sorge tragen, um ihren jeweiligen Bedarf zu decken.
Ein weiterer Schwerpunkt des Papiers ist die Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung. Die beiden Spitzenorganisationen der Ärzteschaft fordern, neue digitale Anwendungen in der Versorgung müssten immer im Verhältnis zu ihrem praktischen Nutzen stehen. Der Ausbau digitaler grenzüberschreitender Dienste müsse sich dafür an den Kriterien Patientensicherheit, Datensicherheit, Praktikabilität und Interoperabilität orientieren.
Gesundes Arbeitsumfeld
KBV und BÄK betonen, Ärzte benötigten ein Arbeitsumfeld, das sie vor physischer, psychischer und verbaler Gewalt schütze. „Auch übermäßige Arbeitsbelastung stellt eine Gefahr dar. Wirksamen Schutz hiergegen bietet die EU-Arbeitszeitrichtlinie, konkretisiert durch die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs“, heißt es unter Punkt vier des Papiers.
BÄK und KBV begrüßen darüber hinaus die Anstrengungen der EU gegen Antibiotikaresistenzen und für höhere Impfraten. Die EU sollte zudem dazu beitragen, dringend benötigte Arzneimittel für Patienten verfügbar zu halten und Lieferengpässe zu verhindern, schreiben sie.
Die Europawahl findet vom 23. bis 26. Mai in den EU-Mitgliedstaaten statt. Wahltag in Deutschland ist der 26. Mai.
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