Ärztebund ruft Gesundheitsnotstand für Neu Delhi aus

Neu Delhi – Wegen dichten Smogs über Neu Delhi hat der indische Ärztebund den Gesundheitsnotstand für die Hauptstadt ausgerufen. Monitore zeigten heute zeitweise eine Konzentration des Feinstaubs PM10 von mehr als den maximal messbaren 999 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft in Teilen der 17-Millionen-Einwohner-Metropole an. Ein Wert von höchstens 50 ist laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) noch unbedenklich. Die Feinstaubwerte in der Millionenstadt lagen nach Angaben auf der Website der US-Botschaft mehr als das Doppelte über dem von den Behörden als gefährlich eingestuften Grenzwert.
Die Luftverschmutzung habe „alarmierende“ Ausmaße erreicht, sagte Krishan Kumar Aggarwal, Leiter der Indian Medical Association (IMA). Die Behörden „müssen alles tun, um diese Bedrohung einzudämmen“. Kinder, ältere Menschen, Schwangere, Herzkranke und Asthmatiker sollten nicht vor die Tür gehen, sagte er dem Nachrichtensender NDTV.
Grundschulen bleiben geschlossen
„Delhi ist zu einer Gaskammer geworden“, twitterte der Regierungschef der Hauptstadt, Arvind Kejriwal. Er machte das Abbrennen von Ernterückständen durch Bauern in benachbarten Bundesstaaten für den Smog verantwortlich. Er habe seinen Bildungsminister gebeten, zu erwägen, die Schulen für ein paar Tage zu schließen, schrieb Kejriwal. Der Bildungsminister der Stadt, Manish Sisodia, kündigte heute an, Neu Delhis Grundschulen würden morgen geschlossen bleiben. Die Umweltbehörde EPCA empfahl, den Autoverkehr durch eine drastische Erhöhung der Parkgebühren zu begrenzen.
Neu Delhi wurde 2014 von der Weltgesundheitsorganisation WHO als die am stärksten verschmutzte Hauptstadt der Welt eingestuft. Seitdem versuchen die Behörden, die Feinstaubwerte durch vorübergehende Stilllegungen von Kraftwerken und Fahrverbote zu senken. Neu Delhis Luftqualität ist mit dem einsetzenden Winter oft besonders schlecht, weil kalte Luft den Smog in Bodennähe hält.
Nach einer im vergangenen Monat im Lancet veröffentlichten Studie starben in Indien allein im Jahr 2015 rund 2,5 Millionen Menschen an den Folgen von Umweltverschmutzung – in keinem anderen Land weltweit war es demnach schlimmer.
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