Ärztekammer: Kinder und Jugendliche benötigen mehr psychotherapeutische Angebote

Münster – Viele Kinder und Jugendliche haben durch die Coronapandemie mit psychischen Problemen zu kämpfen. Die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) mahnte heute erneut schnelle und unbürokratische Hilfe an.
„Die Coronapandemie hat den jungen Menschen Unermessliches abverlangt“, sagte der Präsident der Kammer, Johannes Albert Gehle, im Vorfeld des diesjährigen Kinderschutzforums der Kammer am kommenden Samstag in Gelsenkirchen.
Kindertagesstätten und Schulen, die auch als wichtige Früherkennungsstellen für soziale Belange von Kindern und Jugendlichen fungierten, hätten während der Lockdownmaßnahmen nicht mehr zur Verfügung gestanden.
„Bereits vorhandene Problemlagen von Kindern und Jugendlichen wurden im Verlauf der Coronapandemie verstärkt und medizinische Versorgungslücken deutlicher sichtbar“, sagte Gehle.
Derzeit sei die Wartezeit für Therapiemöglichkeiten aber viel zu lang, so der Kammerpräsident. „Wir müssen unser Gesundheitssystem so aufstellen, dass genügend Kapazitäten für die Behandlung von psychisch kranken Kindern und Jugendlichen bereitstehen, forderte er.
Zwar existiere in Deutschland ein gut differenziertes ambulantes, teilstationäres und stationäres Versorgungssystem. „Allerdings gibt es dabei zwei wesentliche Schwachpunkte: die fehlende Verzahnung der einzelnen Bereiche und ein eklatanter Fachkräftemangel“, so Gehle.
Nötig sei daher eine sinnvolle Vernetzung der Leistungen, damit die Hilfsangebote für die Betroffenen niederschwellig erreichbar seien. „Nur so können wir Kinder und Jugendliche beim Aufholen von Corona-bedingten Defiziten möglichst gut unterstützen“, betonte Gehle.
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