Ärzteschaft und Krankenhausträger wollen Coronaimpfzahlen steigern

Berlin – Ärzteschaft und Krankenhausträger appellierten heute an Bund und Länder, geeignete Rahmenbedingungen für eine sichere, unbürokratische und barrierearme Coronaimpfkampagne in Deutschland zu schaffen. Angesichts der bereits jetzt prekären Lage der medizinischen Versorgung in den Krankenhäusern müssten dringend sowohl noch Ungeimpfte überzeugt, als auch die Anzahl der Auffrischimpfungen gesteigert werden, betonte Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK).
In einer gemeinsamen Pressekonferenz verwiesen die BÄK, die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), der Marburger Bund, der Deutsche Hausärzteverband, der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa), der Verband der Leitenden Krankenhausärzte (VLK) und der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) auf die stark wachsende Zahl schwerkranker COVID-19-Patienten.
In den Krankenäusern herrsche teils schon eine „dramatische Lage“, so Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der DKG. Das „zentrale Problem“ stelle die hohe Anzahl von ungeimpften COVID-Erkrankten dar – allerdings seien zunehmend auf zweifach Geimpfte betroffen, bei denen die Zweitimpfung vor einem längeren Zeitraum erfolgt sei. Deshalb müsse die Impfkampagne ausgebaut werden.
Die Krankenhäuser seien bereit, sich – soweit dies regional und standortbezogen möglich ist – mit ihren Ressourcen an der Durchführung der Coronaimpfungen zu beteiligen, so Gaß. Wenn die regional zuständigen Landes- und Kommunalbehörden die Unterstützung der Kliniken benötigen, würden die Krankenhäuser im Rahmen ihrer Möglichkeiten und der vorrangig zu leistenden Patientenversorgung diese Unterstützung leisten. Unbedingte Voraussetzung dafür sei aber aus Sicht der DKG, dass die anfragenden Behörden den gesamten administrativen Prozess (Terminvergabe, Anmeldung und Dokumentation) ihrerseits sicherstellten.
Dem stimmte Josef Düllings, Präsident des VKD, zu. Die Krankenhäuser könnten bei der Durchführung von Coronaimpfungen unterstützen, nötig sei aber auch eine Optimierung der staatlichen Impfaufklärung. Susanne Johna, 1. Vorsitzende des Marburger Bundes, plädierte dafür, personelle Kapazitäten im Medizinischen Dienst der Krankenversicherung zu nutzen, um den Impfprozess an den Krankenhäusern zu unterstützen. Dies könne die bestehenden Belastungen abfedern.
Die Bedeutung einer besseren Impfaufklärung unterstrich auch Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes. Insbesondere dürfe in der Diskussion um die Angebote zu den Auffrischimpfungen nicht aus dem Fokus geraten, dass man die noch ungeimpften Bevölkerungsgruppen erreichen müsse, so Weigeldt und SpiFa-Vorstandsvorsitzender Dirk Heinrich.
Ärzteschaft und Krankenhausträger sprachen sich in diesem Zusammenhang für eine breit angelegte Informationskampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sowie der Krankenkassen zu der Notwendigkeit von Impfungen, zu den Wirkweisen der zugelassenen Impfstoffe und zu bestehenden Impfangeboten aus.
Grundsätzlich, so bekräftigten die Akteure gemeinsam, müssten nun alle Kräfte für eine möglichst schnelle Realisierung von mehr Impfungen in Praxen, in Kliniken, in Impfzentren und durch Betriebsärzte oder mobile Impfteams mobilisiert werden.
Man sei überzeugt, dass trotz der enorm angespannten Versorgungslage in einer gemeinsamen Kraftanstrengung jetzt noch vieles erreicht werden kann, was zum Schutz der Bevölkerung sowie zur Verhinderung einer Überlastung der Intensivstationen dringend notwendig ist.
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