Ärzteschaft

Aktualisierte Ausgabe der S3-Leitlinie zum Nierenzellkarzinom erschienen

  • Montag, 4. November 2024

Düsseldorf – Im Leitlinienprogramm Onkologie ist eine aktualisierte S3-Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Nierenzellkarzinoms“ erschienen. Neu sind unter anderem Empfehlungen zu erblichen Tumoren, deren Diagnostik und Behandlung laut dem Autorenteam besondere Fachexpertise erfordern.

Laut Robert-Koch-Institut erkranken jährlich etwa 14.000 Personen an Nierenkrebs – Männer sind fast doppelt so häufig betroffen wie Frauen. Die Prognose ist vergleichsweise günstig, das relative Fünf-Jahres-Überleben von Erkrankten liegt bei 79 Prozent für Frauen und bei 77 Prozent für Männer. 2020 verstarben etwa 5.100 Personen an Nierenkrebs.

Neben erblichen Faktoren können auch Rauchen, Bluthochdruck, Übergewicht und eine chronische Nieren­insuffizienz die Entstehung von Nierenzellkrebs begünstigen. Besonders betroffen sind nach einer Nierentrans­plantation immunsupprimierte Patienten. Auch die Lösungsmittel Trichlorethen oder Trichlorethylen, die im Arbeitsumfeld beispielsweise zur Metallreinigung angewendet werden, können die Entstehung von Nieren­krebs begünstigen.

„Wir gehen davon aus, dass fünf bis acht Prozent aller Fälle durch vererbte Genveränderungen bedingt sind“, sagte Christian Doehn vom Urologikum Lübeck. Er ist zusammen mit Susanne Krege vom Kliniken Essen-Mitte Koordinator der S3-Leitlinie.

Kriterien, die auf eine erbliche Variante hinweisen könnten, seien unter anderem ein Erkrankungsalter vor dem 47. Lebensjahr und die Erkrankung naher Familienangehöriger. „Für das Erkrankungsmanagement und die ge­zielte Therapieauswahl ist die Identifikation von erblichen Nierentumoren äußerst wichtig. Daher soll Betrof­fe­nen bei Verdacht auf einen erblichen Tumor eine genetische Beratung und eine molekulargenetische Ana­lyse angeboten werden“, so Doehn.

Laut Krege kann das therapeutische Vorgehen bei erblichen Tumoren je nach Syndrom sehr unterschiedlich sein.

„Bei der Therapieauswahl spielen die Tumorgröße, die Wachstumsgeschwindigkeit und ein multifokales Auf­treten eine wichtige Rolle. So kann in bestimmten Fällen die sogenannte aktive Überwachung angebracht sein. In anderen Fällen ist wiederum eine Operation oder eine gezielte fokale Therapie vonnöten“, so die Expertin. Bei erblichen Nierentumoren sollte die Nachsorge zudem zeitlich unbegrenzt fortgeführt werden.

Die Federführung der Leitlinienarbeit lag bei der Deutschen Gesellschaft für Urologie und der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie. 33 weiteren Fachgesellschaften und Organisatio­nen haben an der Leitlinie mitgearbeitet. Finanziert wurde die Leitlinie von der Deutschen Krebshilfe im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie.

hil

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