Aktualisierte Leitlinie zu Lumbalpunktion und Liquordiagnostik erschienen

Berlin – Die Deutschen Gesellschaft für Neurologie hat zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurochemie und Liquordiagnostik und anderen Gesellschaften eine aktualisierte Version ihrer S1-Leitlinie „Lumbalpunktion und Liquordiagnostik“ vorgestellt. Die Leitlinie informiert unter anderem über Lumbalpunktionen bei Menschen, die gerinnungshemmende Medikamente erhalten.
„Das Risiko einer Unterbrechung der gerinnungshemmenden Therapie muss gegen das erhöhte Blutungsrisiko bei diesen Patientinnen und Patienten während und nach einer Lumbalpunktion abgewogen werden“, informiert das Leitlinienteam um Hayrettin Tumani und Hela Petereit.
Die Indikation zur Lumbalpunktion bei gerinnungshemmender Therapie ist der Leitlinie zufolge daher häufig eine Einzelfallentscheidung, die im interdisziplinären Diskurs getroffen werden sollte. Eine praxisrelevante Klarstellung betrifft die Aufklärung vor Lumbalpunktion: Eine schriftliche Einwilligung bleibt obligat, eine starre Bedenkzeit ist jedoch nicht erforderlich.
Neu in der Leitlinie ist, dass nach den revidierten McDonald-Kriterien von 2024 liquordiagnostisch die Diagnose einer Multiplen Sklerose gestellt werden kann, und zwar bei Patienten mit MS-typischen Symptomen oder unter bestimmten Voraussetzungen auch bei einem radiologisch-isolierten Syndrom.
Auch bei der Diagnostik und Differenzialdiagnostik neurodegenerativer Erkrankungen spielt die Liquordiagnostik laut dem Leitlinienteam eine zunehmend wichtige Rolle.
Neben dem routinemäßig empfohlenen Liquorgrundprogramm wie Zellzahl, Differenzialzellbild, Laktat im Liquor und anderem zum Ausschluss eines entzündlichen ZNS-Prozesses, gäben bei der Alzheimer-Demenz und bei der Amyotrophen Lateralsklerose vor allem ZNS-spezifische Parameter als positive Diagnosemarker Aufschluss.
Ein weiterer Fortschritt betrifft die Biomarker bei Motoneuronerkrankungen. Neurofilamente sind danach valide krankheitsübergreifende Marker für axonalen Schaden und unterstützen bei der Diagnostik der Amyotrophen Lateralsklerose. Sie sind laut der Leitlinie auch prognostisch relevant.
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