Alpha-Blocker in der Schwangerschaft könnten zu Zwergenwuchs und Diabetes führen
Lübeck – Die Möglichkeiten für schwangere Frauen, ihren Bluthochdruck medikamentös zu kontrollieren, sind aufgrund von Risiken für das Kind eingeschränkt. Ein Forschungsteam der Universität zu Lübeck konnte im Mausmodell zeigen, dass der Blutdrucksenker Prazosin während der Schwangerschaft zu einem verringerten Wachstum und im Erwachsenenalter zu Diabetes führen kann. Die Studie wurde in Molecular Metabolism veröffentlicht (2017; doi: 10.1016/j.molmet.2017.06.016).

Interessanterweise zeigten nur die männlichen Nachkommen der mit dem Alphablocker behandelten Mäuse dieses Krankheitsbild. „Als eine mögliche Ursache für diese Befunde haben wir eine verringerte Ausschüttung des Hormons IGF-1 aus der Leber männlicher Nachkommen identifiziert”, berichtet Rebecca Ölkrug, Erstautorin der Studie. Die Ausschüttung des IGF-1 aus der Leber wird über den Wachstumshormonrezeptor reguliert, der in den männlichen Nachkommen als Folge einer veränderten epigenetischen Programmierung stark reduziert war.
Für solche epigenetischen Veränderungen, die während der Schwangerschaft programmiert werden, seien die beobachteten geschlechtsspezifischen Ausprägungen typisch, ergänzt Jens Mittag. „Nun wäre es wichtig, in retrospektiven epidemiologischen Studien zu untersuchen, ob ein ähnlicher Zusammenhang zwischen Alphablockern in der Schwangerschaft und Wachstumsstörungen oder Diabetes in den Nachkommen auch im Menschen zu beobachten ist.“
Bluthochdruck in der Schwangerschaft ist eine häufige Komplikation, die unbehandelt schwerwiegende Konsequenzen für Mutter und Kind haben kann. Viele gängige Medikamente wie ACE-Inhibitoren können nicht eingesetzt werden, da sie entweder das Risiko von Fehlbildungen des Fetus erhöhen oder nicht ausreichend untersucht sind, um einen sicheren Einsatz während der Schwangerschaft zu gewährleisten. Je nach nationaler Richtlinie kommen Alpha/Beta-Kombiblocker wie Labetalol oder Alpha1-adrenerge Blocker wie Prazosin zum Einsatz.
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