Medizin

Arznei­mittel-Diebstahl weitet sich aus: Nicht nur Herceptin betroffen

  • Donnerstag, 17. April 2014

Bonn – Der Skandal um in Italien gestohlene und möglicherweise gefälschte Arzneimittel weitet sich aus. Nach Erkenntnissen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizin­produkte (BfArM) sind neben dem Krebsmedikament Herceptin auch die Arzneimittel Alimta und Humatrope betroffen.

Alimta enthält den Wirkstoff Pemetrexed und wird in Krankenhäusern und onkologischen Fachpraxen zur Behandlung von zwei Lungenkrebsarten (Pleuramesotheliom und nichtkleinzelliges Bronchialkarzinom) verwendet. Humatrope enthält das Wachstums­hormon Somatropin, das unter anderem zur Behandlung von Wachstumsstörungen eingesetzt wird.

Nach derzeitiger Kenntnis sind bei Alimta die Chargen C134092E, C021161E und C160908C betroffen, bei Humatrope die Charge C165977C. Ob und wie diese Chargen manipuliert und in den Handel gebracht wurden, sei bislang nicht bekannt, heißt es in der Mitteilung des BfArM.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA hatte gestern über den Arzneimitteldiebstahl von Herceptin informiert. Am Abend teilte das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) mit, dass die Präparate über Großhändler und Parallelvertriebsunternehmen auch nach Deutschland gelangt sind. Es gebe konkrete Hinweise darauf, dass einzelne Durchstechflaschen des gestohlenen Herceptins nach dem Diebstahl verfälscht wurden, da manipulierte Behältnisse von einem deutschen Parallelvertreiber gemeldet worden seien.

In Krankenhäusern oder Arztpraxen wurden nach Kenntnis des PEI keine gefälschten Durchstechflaschen gefunden. Es lägen auch keine Berichte über Gesundheits­schädigungen von Patienten durch gefälschtes Herceptin vor.

Dennoch sind Ärzte und Apotheker aufgefordert, auf möglicherweise manipulierte Präparate zu achten. Die Fälschungen seien unter Umständen daran zu erkennen, dass die Chargen-Nummern auf den Durchstechflaschen nicht mit den Angaben der Verpackungen übereinstimmen. In einigen beschlagnahmten Durchstechflaschen wurde Flüssigkeit entdeckt, was auf Manipulationsversuche hinweist. Herceptin wird normalerweise trocken als weißes bis gelbliches Puder in Durchstechflaschen geliefert. Die Ärzte sollten auch auf Unregelmäßigkeiten an Gummistopfen, Bördelkappe oder Deckel achten, riet die EMA.

Im übrigen sollten keine Präparate der betroffenen Chargen verwendet werden. Dies sind H4311B07, H4329B01, H4284B04, H4319B02, H4324B03, H4196B01, H4271B01, H4301B09 und H4303B01. Obwohl vermutlich nur eine kleine Anzahl der Durch­stechflaschen betroffen sind, hat der Hersteller beschlossen, alle Herceptin-Präparate mit diesen Chargen-Nummern zurückzuziehen. Ein Versorgungsengpass wird nicht befürchtet.

Nach jüngsten Informationen der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) wurden in Italien auch Packungen mit dem Medikament Remicade (Wirkstoff Infliximab) gestohlen. Betroffen sind die Chargen-Nummern 3RMKA85003, 2RMA65203, 3RMA63602 und 3RMA63301. Ob diese gestohlene Ware in Deutschland in den Handel gelangt ist, war nach Auskunft des Paul-Ehrlich-Instituts am Montag nicht bekannt.

rme

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