Ärzte ohne Grenzen mahnt mehr Hilfe für Notleidende im Sudan an

Port Sudan/Bonn – Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen drängt auf mehr Unterstützung für die Versorgung notleidender Menschen im Bürgerkriegsland Sudan. Die zur Verfügung stehenden Mittel reichten bei weitem nicht aus, sagte Landeskoordinatorin Amande Bazerolle.
In dem nordostafrikanischen Land führen die sudanesische Armee und die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) seit April 2023 einen Krieg um die Vormachtstellung. Vermittlungsversuche scheiterten bisher.
Über weitere Hilfen soll nun bei einer internationalen Konferenz verhandelt werden, die am 15. April, dem dritten Jahrestag des Kriegsbeginns, in Berlin stattfindet. Im vergangenen Jahr gehörte Deutschland nach Angaben des Auswärtigen Amtes mit rund 157 Millionen Euro zu den größten Gebern.
Allein für die Unterstützung Vertriebener forderten das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR und Partnerorganisationen im Februar indes 1,35 Milliarden Euro. Nach Einschätzung Bazerolles gerät der Sudan-Krieg aufgrund vieler anderer Kriege zusehends in den Hintergrund. „Man sieht den internationalen Willen nicht, diesem Krieg ein Ende zu bereiten.“
Neben zusätzlichen Finanzmitteln ist nach Einschätzung Bazarolles vor allem ein sicherer Zugang zu den Menschen notwendig, die Hilfe benötigen. Wegen der Kampfhandlungen sei das nicht immer möglich, wie beispielsweise im Distrikt Um Baru in der Region Norddarfur. Nach Angaben des Kinderhilfswerks Unicef ist dort mittlerweile mindestens jedes dritte Kind akut mangelernährt.
Allerdings sind nicht alle Gebiete gleichermaßen von der Gewalt betroffen. In den vergangenen Monaten verschärften sich Kämpfe in den Bundesstaaten Süd- und Nordkordofan. Die Hauptstadt Khartum verzeichnet hingegen Medienberichten zufolge eine Rückkehr von Menschen. Dies gilt als Zeichen dafür, dass sich die Lage zumindest nicht weiter verschlechtert.
In Regionen mit Kriegshandlungen setzen beide Konfliktparteien und ihre Verbündeten zunehmend Drohnen ein – und zwar nicht nur für Angriffe auf militärische Ziele. In den Fokus gerieten beispielsweise auch Märkte und Gesundheitseinrichtungen, so Bazerolle. „Das ist eine neue Stufe der Eskalation.“ Die Zahl der zivilen Opfer steige, immer mehr Verletzte benötigten medizinische Hilfe.
Angesichts beschädigter oder zerstörter Gesundheitseinrichtungen sei dies aber kaum noch leistbar, so die Koordinatorin. Auch gebe es keine Mittel zum Wiederaufbau der Infrastruktur.
Der Krieg im Sudan gilt als derzeit größte humanitäre Katastrophe weltweit. In dem Land mit gut 50 Millionen Einwohnern gibt es knapp sieben Millionen Binnenvertriebene; in den Nachbarländern rund 4,5 Millionen Flüchtlinge.
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