Ärztebefragung: KBV nimmt elektronische Patientenakte ins Visier

Berlin – Die elektronische Patientenakte (ePA) ist nach einem Jahr in aller Munde. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) zog heute eine erste positive Bilanz. Ob die Ärzteschaft das auch so beurteilt, will die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) in einer Umfrage erfahren.
Ziel sei es herauszufinden, wie Ärzte und Psychotherapeuten die ePA im Versorgungsalltag nutzen, welche ersten Erfahrungen sie dabei gesammelt hätten und wie zufrieden sie mit der technischen Umsetzung seien, betonte die KBV heute.
Die Nutzung der ePA sei für Ärzte und Psychotherapeuten verpflichtend – aber ohne eine gute Integration im Praxisverwaltungssystem (PVS) und eine stabile Telematikinfrastruktur laufe sie Gefahr, mehr Aufwand als Nutzen zu verursachen, sagte Sibylle Steiner, Vorstandsmitglied der KBV.
Die Ergebnisse der Umfrage, an der eine Teilnahme bis zum 25. Januar möglich ist, sollen Steiner zufolge in Gespräche mit Herstellern und politischen Entscheidungsträgern einfließen, um Weiterentwicklungen voranzubringen. Mit Blick auf die Weiterentwicklung der ePA in diesem Jahr sieht Steiner zwei zentrale Themen. Dies seien der digitalgestützte Medikationsprozess und die Volltextsuche.
Steiner wies heute in einem Videointerview mit dem KBV-eigenen Infodienst erneut darauf hin, dass die notwendige technische Infrastruktur verlässlich funktionieren müsse, um eine sichere ambulante Versorgung auch in Zukunft zu gewährleisten.
Insgesamt muss die Digitalisierung aus ihrer Sicht stärker medizinisch ausgerichtet sein. „Das heißt, die Technik sollte geräuschlos und reibungslos im Hintergrund laufen. Das muss 2026 das Ziel sein“, sagte Steiner. Sie wies auf die Umstellung des Verschlüsselungsverfahrens von RSA auf ECC hin, die im vergangenen Jahr viel Energie und Ressourcen gekostet habe. Das sei ein „echter Rückschlag“ gewesen.
Statt sich um technische Basisdienste kümmern zu müssen, ohne dafür verantwortlich zu sein, wolle die KBV die Digitalisierung von Versorgungsprozessen voranbringen. Auch gemeinsam mit einer Gruppe digital affiner Ärzte und Psychotherapeuten werden laut Steiner Vorschläge erarbeitet, wie die Digitalisierung von morgen aussehen könne, damit sie tatsächlich Zeit in der Patentenversorgung spare.
„Dringenden Handlungsbedarf“ sieht Steiner beim E-Mail-Dienst KIM, über den Arztpraxen untereinander, aber auch mit Krankenhäusern sicher Informationen austauschen können. So müssten der Verzeichnisdienst, in dem alle KIM-Adressen aufgeführt sind, transparenter und nutzerfreundlicher sowie KIM in den Praxisverwaltungssystemen anwenderfreundlicher umgesetzt werden, schreibt die KBV.
Natürlich müssten sich auch die anderen an der Gesundheitsversorgung Beteiligten an den Kommunikationsdienst anschließen, forderte sie. Nur dann sei eine Kommunikation mit Krankenhäusern, dem Medizinischen Dienst oder den Krankenkassen über KIM möglich.
Zur Finanzierung von Digitalisierungsmaßnahmen in den Praxen sagte Steiner: „Wir brauchen eine Bereitschaft der Politik, hier entsprechend auch Finanzmittel, ähnlich wie das bei den Krankenhäusern der Fall ist, bereitzustellen für infrastrukturelle Maßnahmen. Deshalb fordern wir auch trotz aller Einsparzwänge ein Praxiszukunftsgesetz“.
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