Politik

Arztpraxen: 70 Prozent der Einnahmen stammen aus Kassenabrechnungen

  • Dienstag, 15. August 2017
/PhotographyByMK, stock.adobe.com
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Wiesbaden – Arztpraxen in Deutschland erwirtschaften fast drei Viertel ihrer Einnahmen durch die Behandlung von gesetzlich Krankenversicherten. Ein Viertel resultiert aus Privatabrechnungen. Das gab heute das Statistische Bundesamt (Destatis) in Wiesbaden bekannt. Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2015. Damals entfielen 70,4 Prozent der Praxis-Einnahmen auf Kassenabrechnungen, 26,3 Prozent auf Privatabrechnungen und 3,3 Prozent auf sonstige selbstständige ärztliche Tätigkeiten.

Im Durchschnitt nahm 2015 jede Arztpraxis 507.000 Euro ein, egal ob Einzel- oder Gemeinschaftspraxis bei gleicher Fachrichtung. Der Wert ist aber stark verzerrt. „Dieser Durchschnittswert ist stark von Praxen mit sehr hohen Einnahmen beeinflusst, denn die Hälfte aller Arztpraxen hatte Einnahmen von weniger als 373.000 Euro (Median)“, schreiben die Statistiker.

Reinertrag ist nicht Gewinn oder Einkommen

Den Einnahmen standen Aufwendungen von durchschnittlich 249.000 Euro pro Praxis gegenüber, etwa je zur Hälfte für Personal- und Sachkosten. Bei der Hälfte der Praxen betrugen die Ausgaben allerdings weniger als 166.000 Euro (Median). Die Aufwen­dungen setzten sich zu 51,9 Prozent aus Personal- und zu 48,1 Prozent aus Sachaufwendungen zusammen. Im Schnitt blieb den Praxen ein Reinertrag von 258.000 Euro übrig. Die Hälfte aller Arztpraxen hatte laut Destatis jedoch einen Reinertrag von höchstens 197.000 Euro (Median).

Der Reinertrag ist den Statistikern zufolge nicht mit dem Gewinn beziehungsweise dem Einkommen der Ärzte gleichzusetzen, auch nicht, wenn er auf die Zahl der Praxisinhaber bezogen wird. Er stelle das Ergebnis des Geschäftsjahres der Praxis dar, berücksichtigt aber unter anderem nicht Aufwendungen für Praxisübernahme und Aufwendungen privater Natur für die Alters-, Invaliditäts-, Hinterbliebenen- und Krankenversicherung der Praxisinhaber und deren Familienangehörigen sowie die Beiträge zu Versorgungseinrichtungen der Praxisinhaber, hieß es.

Große Unterschiede nach Arztgruppen

Zwischen den Arztpraxen verschiedener Fachgebiete gibt es große Unterschiede bei Einnahmen und Aufwendungen und damit auch beim Reinertrag. Den höchsten Reinertrag erzielten 2015 die Praxen für Radiologie, Nuklearmedizin und Strahlentherapie mit 850.000 Euro, gefolgt von Augenärzten (370.000 Euro) und Orthopäden (310.000 Euro).

Am niedrigsten fiel der durchschnittliche Reinertrag mit 180.000 Euro bei den Praxen für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie aus. Allgemeinärzte erreichten einen durchschnittlichen Reinertrag von 227.000 Euro.

Die Statistiker verwiesen darauf, dass in die dargestellten Ergebnisse nur Werte von Einzelpraxen und fachgleichen Berufsausübungsgemeinschaften einflossen. Fachübergreifende Berufsausübungsgemeinschaften und Medizinische Versorgungszentren wurden nicht in die Auswertung einbezogen.

Die Zahlen bestätigten den wichtigen Beitrag, den Privatpatienten für das deutsche Gesundheitssystem leisteten, sagte der Direktor des PKV-Verbandes, Volker Leienbach. Denn die Einnahmen der Ärzte aus Privatrechnungen würden in ein gemeinsames Versorgungssystem für gesetzlich und Privatversicherte fließen und kämen damit allen Menschen zugute. Rund 11 Prozent aller Krankenversicherten in Deutschland stemmen gut 26 Prozent der Praxiseinnahmen, wie der PKV-Verband immer wieder feststellt.

Von den Krankenkassen hieß es, angesichts der gestiegenen Reinerträge sei schwer nachzuvollziehen, warum Ärzteverbände immer wieder die angeblich schlechte Vergütung niedergelassener Ärzte beklagen würden. Die Zahlen zeigten, dass sich niedergelassene Ärzte seit Jahren auf einem hohen Vergütungsniveau befänden, kommentierte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Johann-Magnus von Stackelberg.

may/dpa/afp

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