Ärzteschaft

Arztpraxen könnten wegen Energiepreisen Angebot reduzieren

  • Donnerstag, 13. Oktober 2022
/picture alliance, dpa, Christoph Schmidt
/picture alliance, dpa, Christoph Schmidt

Berlin – Wegen der stark gestiegenen Energiekosten könnten bestimmte Arztpraxen in Berlin ab November ihren Betrieb reduzieren. Ein solcher Schritt werde derzeit vor allem für Praxen für Radiologie, Nuklearme­di­zin, Strahlentherapie und Dialyse geprüft, die besonders viel Strom benötigten, teilte die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin heute mit.

Um Stromkosten zu sparen, wird demnach erwogen, die Laufzeiten der Geräte zu reduzieren und sie regel­mäßig in den Standbymodus zu versetzen. Für Patienten würde das längere Wartezeiten auf einen Termin bedeuten.

„Keine Frage, die Maßnahme ist drastisch, vor allem für die Patientinnen und Patienten, aber die Politik lässt den Praxen keine andere Wahl“, hieß es in einer Erklärung des KV-Vorstands. „Bis heute gibt es keine Unter­stützungsangebote für die ambulante Versorgung mit Blick auf die explodierenden Energiekosten und die Kostensteigerungen durch die hohe Inflationsrate.“ Die Existenz von Praxen sei bedroht.

„Deshalb fordern wir für die ambulante Versorgung denselben Ausgleich, der auch an die Krankenhäuser gezahlt werden soll.“ Andernfalls bleibe den Praxen nur die Möglichkeit, den Kostensteigerungen mit einer Reduzierung der Leistungen zu begegnen.

Die KV nannte einige Beispiele, um die aktuelle Situation zu illustrieren. So habe eine radiologische Praxis mit zwei Ärzten berichtet, dass sie anstatt 3.800 Euro jetzt 18.000 Euro monatlichen Abschlag für Strom zahle.

Ein medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) für Radiologie, Strahlentherapie und Nuklearmedizin habe eigenen Angaben zufolge 2019 noch rund 250.000 Euro für Strom bezahlt. Im laufenden Jahr rechne das Zentrum mit einer Vervierfachung auf 800.000 bis eine Million Euro.

Eine Dialysepraxis mit 24 Behandlungsplätzen zahle statt 9.000 nunmehr 60.000 Euro im Jahr für Gas. Pa­tienten seien gebeten worden, sich Decken und Socken mitzubringen, um nicht zu frieren. Die Heizung sei bislang ausgeschaltet.

dpa

Diskutieren Sie mit:

Diskutieren Sie mit

Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.

Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Newsletter-Anmeldung

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes.

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterherzurennen: Newsletter Tagesaktuelle Nachrichten

Zur Anmeldung