Augenprobleme: Wie Hausärzte einen Notfall erkennen

Düsseldorf/Schweinfurt – Ob es sich bei einem roten Auge um einen Notfall handelt oder der Patient an einen Ophthalmologen überwiesen werden sollte, kann der Hausarzt mit einer einfachen Basisuntersuchung klären. Die häufigsten Differenzialdiagnosen und Anamnesepunkte haben drei Augenärzte in einem CME-Beitrag im Deutschen Ärzteblatt (DÄ) zusammengefasst (Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 302–12).
Eine australische Studie konnte im Jahr 2008 feststellen, dass Allgemeinmediziner bei 64 Prozent ihrer Patienten, die die Praxis aufgrund roter Augen aufsuchen, Fehldiagnosen gestellt haben. Bei etwa zehn Prozent dieser Fälle kam es zu schwerwiegenden klinischen Verläufen. Auch in Deutschland untersuchen Hausärzte wöchentlich etwa vier bis zehn Patienten mit Augenproblemen.
Unter bestimmten Voraussetzungen sollten diese Patienten direkt zum Augenarzt überwiesen werden, schreiben die Autoren im DÄ: Bei Fremdkörperereignis oder anderer Verletzung sowie den Leitsymptomen Schmerzen, Visusminderung, steinharter Bulbus und/oder Beteiligung der Hornhaut. Darüber hinaus betont der Beitrag Befunddauer, Lateralität und Schmerzintensität als drei Grundpfeiler der Diagnose. Im ersten Schritt der Anamnese sollte der Arzt zwischen einer chronischen und akuten Symptomatik unterscheiden sowie untersuchen, ob beide Augen betroffen sind. Ein Flussdiagramm beschreibt, anhand welcher weiteren Hinweise man eine Konjunktivitis, eine allergische Reaktion oder aber etwa eine plötzliche subkonjunktivale Blutung erkennen kann.
Gefahren bei Kontaktlinsenträgern
Eine entscheidende Rolle spielt bei der Diagnose auch, ob der Patient Kontaktlinsenträger ist. Denn diese sind für eine Sonderform der bakteriellen Konjunktivitis anfällig. Hier treten beispielsweise Infektionen mit Akanthamöben oder Pseudomonas aeruginosa auf. Da diese Erreger häufig resistent gegenüber gängigen Antibiotika sind, benötigt der Arzt zur Diagnosesicherung den ungesäuberten Kontaktlinsenbehälter samt Flüssigkeit und die Linse für einen Erregernachweis. Eine mikrobielle Keratitis kann ansonsten schon innerhalb weniger Stunden zur Perforation der Hornhaut führen. Ein dauerhafter Verlust des Augenlichts oder gar des Auges ist nicht auszuschließen.
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