Ausschuss: Großbritannien versagt beim Kampf gegen Genitalverstümmelung
London – Der Innenausschuss des britischen Parlaments hat einen „nationalen Skandal“ im Kampf gegen die Beschneidung von Mädchen beklagt. Durch Fehler und mangelndes Engagement von Ministern, Polizei und anderen Behörden seien bis zu 170.000 Mädchen und Frauen von solchen „vermeidbaren Verstümmelungen“ betroffen, zitieren der Sender BBC und mehrere Tageszeitungen heute den Ausschuss. Er machte „unangemessene Rücksicht auf kulturelle Empfindlichkeiten“ für behördliche Untätigkeit und Passivität verantwortlich.
Die Parlamentarier fordern einen nationalen Aktionsplan gegen Mädchenbeschneidung. Dieser sieht laut den Berichten mehr Anonymität für die Opfer sowie Schutzmaßnahmen gegen Verschleppung ins Ausland vor. Nach Angaben des Ausschusses sind landesweit rund 65.000 Mädchen unter 13 Jahren von Genitalverstümmelung bedroht.
Die Mädchenbeschneidung ist in Großbritannien seit 1985 verboten. Allerdings wurde erst in diesem Jahr ein Fall vor Gericht gebracht; er ist noch anhängig. Der Parlamentsausschuss verweist auf das Beispiel Frankreich, wo mehrere erfolgreiche Gerichtsfälle eine „Schlüsselrolle“ für einen namhaften Rückgang der Praxis geführt hätten.
Trotz solcher Urteile und internationaler Kampagnen gegen die Genitalverstümmelung bleibt sie aufgrund sozialen Drucks in traditionellen Gesellschaften häufig. Auch in Deutschland sind laut Schätzungen bis zu 50.000 Mädchen und Frauen davon betroffen oder gefährdet. Um Strafen wegen Körperverletzung hierzulande zu umgehen, müssen sich viele junge Mädchen bei „Urlaubsreisen“ in ihre Herkunftsländer der grausamen Prozedur unterziehen.
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