Automatismus sorgt für Einlieferung vieler Pflegeheimbewohner in Notaufnahmen
Bremen – Ängste vor rechtlichen Konsequenzen beeinflussen die Entscheidung, Pflegeheimbewohner in ein Krankenhaus einzuliefern. Das geht aus der Untersuchung „Hospitalisierung und Notaufnahmebesuche von Pflegeheimbewohnern“ (HOMERN) um Falk Hoffmann vom Department für Versorgungsforschung an der Fakultät Medizin und Gesundheitswissenschaften der Universitäten Oldenburg hervor.
„Häufig haben Pflegekräfte ohne Einbeziehung von Ärzten die Entscheidung getroffen“, sagte Guido Schmiemann von der Abteilung Versorgungsforschung des Instituts für Public Health und Pflegeforschung (IPP) der Universität Bremen. Dort verantwortet er einen Teilbereich der Studie. Schmiemann spricht von einem Automatismus und einer „zu häufigen“ Einlieferung ins Krankenhaus.
„Der Pflegedienst ruft die 112. Der Disponent, der den Anruf entgegennimmt, haftet persönlich für seine Entscheidung, also wird er im Zweifel eher einen Rettungswagen alarmieren. Der wird für Leerfahrten in den meisten Regionen nicht bezahlt, also nimmt er im Zweifel den Bewohner des Pflegeheims mit“, erklärte Schmiemann. Es müssten Wege gefunden werden, wie man aus dieser Schleife herauskomme.
Das zweite Grundproblem seien Mängel in der Kommunikation. Heim und Ärzte arbeiteten oft nicht strukturiert zusammen. In der Hälfte der Fälle wurde die Arztpraxis nicht informiert, wenn ein Patient Symptome aufwies. „Eine Stärkung der Pflegenden, eine Verbesserung struktureller Rahmenbedingungen und eine verstärkte Kommunikation und Kooperation zwischen den beteiligten Akteuren könnte die Zahl vermeidbarer Krankenhaustransporte aus Pflegeheimen verringern“, so der Versorgungsforscher.
Die häufigsten Gründe für den Anruf beim Rettungsdienst sind laut der Untersuchung Stürze, Unfälle, Verschlechterungen des Allgemeinzustands und neurologische Auffälligkeiten. Ein höheres Risiko für ungeplante Krankenhaustransporte hatten Männer sowie Bewohner mit einem höheren Pflegegrad.
In die Untersuchung haben die Wissenschaftler 14 Pflegeheime in Bremen einbezogen. 802 Bewohner, die bei der AOK Bremen/Bremerhaven versichert sind, wurden erfasst. Die Hälfte von ihnen war dement, ein Viertel über 90 Jahre alt. Sie kamen in zwölf Monaten auf 627 Krankenhausaufenthalte, darunter auch Wiederholungsaufenthalte in der Klinik.
Für die Studie wurden darüber hinaus Hausärzte, Pflegende und Rettungskräfte befragt. Außerdem wurden über zwölf Monate Krankenhaustransporte aus 14 Pflegeeinrichtungen in der Metropolregion Nordwest systematisch erfasst und analysiert.
Der Gemeinsame Bundesausschuss fördert das Forschungsvorhaben mit 500.000 Euro über den Innovationsfonds. Laut den Wissenschaftlern der Studie leben in Deutschland etwa 800.000 Menschen in Pflegeheimen.
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