Niedergelassene hätten jeden zweiten Fall in Notaufnahmen betreuen können

Berlin – Nur rund die Hälfte der Patienten, die 2018 tagsüber in den Notaufnahmen der Krankenhäuser versorgt wurden, war wirklich ein Notfall. Das geht aus einer Auswertung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi) hervor. Das Institut wertete dafür bundesweite Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) aus.
Danach sind in Deutschland 4,42 Millionen Patienten im vergangenen Jahr während der Praxisöffnungszeiten in den Notaufnahmen der Krankenhäuser versorgt worden. Mit 45,6 Prozent der Fälle standen traumatologische Behandlungsanlässe an der Spitze.
„Patienten mit Rückenbeschwerden (8,9 Prozent), mit Magen-Darm-Erkrankungen (8,2 Prozent) und mit fiebrigen Infekten der oberen Atemwege (6,6 Prozent) wären gut von Vertragsärzten zu behandeln gewesen“, hieß es aus dem Zi. Insgesamt waren das rund 24 Prozent der Patienten.
Aus den übrigen Diagnosen (23,9 Prozent) ergebe sich ein uneinheitliches Bild. Nach Expertenschätzungen hätten zwischen 30 und 50 Prozent der in den Kliniken ambulant behandelten Notfallpatienten auch durch niedergelassene Haus- oder Fachärzte behandelt werden können. Dies wären 2,0 bis 2,5 Millionen Patienten pro Jahr.
Im ärztlichen Bereitschaftsdienst, also außerhalb der Praxisöffnungszeiten, ist es den KVen laut Zi bereits gelungen die Zahl der ambulanten Behandlungen in Krankenhausnotaufnahmen seit 2016 zu senken. Diese seien zwischen 2016 und 2018 um rund 222.000 Fälle zurückgegangen.
Gleichzeitig seien die durch niedergelassene Haus- und Fachärzte im Bereitschaftsdienst behandelten ambulanten Notfälle von 2015 bis 2018 kontinuierlich um rund 360.000 Fälle angestiegen.
Laut dem Zi bleibt jetzt abzuwarten, wie sich das Angebot der KVen auswirkt, die ärztliche Bereitschaftsdienstnummer 116117 ab dem 1. Januar 2020 rund um die Uhr zu schalten und Patienten mit akuten Beschwerden nach einer strukturierten medizinischen Ersteinschätzung ein Versorgungsangebot zu vermitteln.
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