Bayerische Ärztekammer drängt auf klimapolitisches Handeln

München – Die Bayerische Landesärztekammer (BLÄK) wünscht sich von der Politik ein schnelles klimapolitisches Handeln, um die Gefahren des Klimawandels für die menschliche Gesundheit einzudämmen. Gesetzlich festgelegte und bereits verbindlich beschlossene Klimaziele dürften nicht wieder infrage gestellt und deren Umsetzung nicht weiter hinausgezögert werden, so die Kammer.
„Klimaschutz ist Gesundheitsschutz“, betonte der Präsident der BLÄK, Gerald Quitterer, heute in München. „Unser Ziel muss es sein, die Lebensgrundlagen aller zu bewahren. Das findet sich auch in unserer Berufsordnung und ist originäre ärztliche Mitverantwortung.“
Daher sei es wichtig, dass in Bayern gesetzte Ziel der Klimaneutralität konsequent zu verfolgen. Wenn Kipppunkte überschritten seien, gebe es kein Zurück mehr. Deshalb müssten Maßnahmen zum Klimaschutz ohne Aufschub vorangetrieben werden.
„Es ist dringend geboten, im Sinne von ‚Planetary Health‘ jetzt aktiv zu werden, denn die Gesundheit der Menschen hängt von der Gesundheit der Ökosysteme ab“, sagte Quitterer. „Nur, wenn die Erde gesund ist, kann auch der Mensch gesund sein.“ Das Ausmaß der Folgen des globalen Klimawandels, des Artensterbens, der Bedrohung der Meere und Küsten sowie der Luftverschmutzung werde immer deutlicher sichtbar und erfordere ein Umdenken, auch und gerade im Bereich Gesundheit.
„Aus ärztlicher Sicht ist bereits die aktuell erreichte globale Erwärmung von über 1,6 Grad Celsius mit einer Zunahme von Hitzetagen bedrohlich für chronisch Erkrankte und vulnerable Gruppen“, so Quitterer. „Bayern bleibt von den unvermeidbaren Veränderungen des Klimawandels nicht verschont. Im sensiblen Alpenraum kann in den vergangenen 100 Jahren sogar ein doppelt so starker Temperaturanstieg verzeichnet werden wie im weltweiten Durchschnitt.“
Auch künftig seien mehr Extremwetterereignisse mit Hitzeperioden und Überschwemmungen zu erwarten. Immer mehr Akteure auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene machten sich auf den Weg, ein Klimaschutzmanagement zu etablieren und auf erneuerbare Energien zu setzen.
Quitterer abschließend: „Wir haben Klimaziele definiert wie beispielsweise im Bayerischen Klimaschutzgesetz. Jetzt sind wir in der Verantwortung, vom Reden ins Tun zu kommen.“
Vor kurzem hatte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) angekündigt, das im bayerischen Klimaschutzgesetz bislang genannte Ziel der Klimaneutralität im Jahr 2040 um fünf Jahre auf das Jahr 2045 zu verschieben. „Unser Gesetz ist im Moment noch 2040. Wir glauben allerdings, dass das schwer zu halten ist“, sagte Söder Mitte Januar auf einer Klausurtagung der CSU-Fraktion.
Als Begründung nannte er den Ausstieg aus der Atomenergie, die veränderte Weltlage und die Herausforderungen für die Wirtschaft. Damit deckt sich das Ziel nun mit dem Ziel Deutschlands, bis 2045 Klimaneutralität zu erreichen.
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