Bayerischer Ärztetag: Klimawandel, Prävention und Reformgesetze im Fokus

Berchtesgaden – Der Schutz der Gesundheit vor den Folgen des Klimawandels war ein Mittelpunkt des 85. Bayerischen Ärztinnen- und Ärztetages (BÄT) in Berchtesgaden. Die 180 Delegierten des bayerischen Ärzteparlaments forderten am vergangenen Wochenende unter anderem eine landesweite Leitlinie zum Hitzeschutz im Schulsport sowie verbindliche Anforderungen an den baulichen Hitzeschutz.
Insbesondere sollte das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus (KM Bayern) konkrete Kriterien dafür festlegen, unter welchen Bedingungen Sportveranstaltungen im Freien aufgrund der Hitzebelastung angepasst, zeitlich verlegt oder abgesagt werden müssen, so die Delegierten.
Auch beim Bauen und Sanieren sehen die Delegierten dringenden Handlungsbedarf. Sie appellieren an die Bundesregierung und die Landesregierungen, verbindliche Kriterien zur Klimaanpassung und zum baulichen Hitzeschutz in die Förderrichtlinien für staatlich unterstützte Baumaßnahmen aufzunehmen.
Die Anforderungen sollten Neubauten ebenso umfassen wie energetische Sanierungen und Modernisierungen – insbesondere im öffentlichen Bau, im Wohnungsbau sowie bei gesundheitlichen und sozialen Einrichtungen wie Krankenhäusern, Pflegeheimen, Kindertagesstätten und Schulen.
Zudem sprechen sich die Delegierten für einen konsequenten Ausstieg aus fossilen Energieträgern und die konsequente Verankerung des One-Health-Ansatzes in Prävention, Gesundheitsplanung und Krisenvorsorge aus. Eine Abschwächung des EU-Klimaziels für 2040 lehnen die Delegierten ab.
Dabei betonen sie die unmittelbaren Auswirkungen fossiler Energieträger auf die Gesundheit: Bei ihrer Verbrennung entstünden gesundheitsschädliche Luftschadstoffe wie Feinstaub und Stickoxide. Zudem trage die Bildung von bodennahem Ozon zu gesundheitlichen Belastungen bei.
„Der Klimawandel ist längst auch eine gesundheitspolitische Herausforderung“, betonte Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK). Man müsse die Menschen besser vor den gesundheitlichen Folgen der Erderwärmung schützen und Prävention sowie Klimaanpassung konsequent zusammendenken. Besonders wichtig sei das für Kinder und Jugendliche, ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen.
Bei ihrem Treffen plädierten die 180 Delegierten außerdem unter anderem dafür, Präventions-, Vorsorge- und Früherkennungsleistungen auch künftig dauerhaft extrabudgetär, zu festen Preisen und ohne Mengenbegrenzung zu vergüten. Eine steigende Inanspruchnahme dieser Leistungen sei kein unerwünschter Mengenzuwachs, sondern Ausdruck einer erfolgreichen Präventionsstrategie, betonten sie.
Die Delegierten riefen die Europäische Kommission und die Bundesregierung zudem auf, Kinder und Jugendliche durch verbindliche Regelungen wirksam vor Werbung für ungesunde Lebensmittel zu schützen. Dazu müssten einheitliche, auf dem Nährwertprofilmodell der Weltgesundheitsorganisation (WHO) basierende Kriterien für ungesunde Lebensmittel festgelegt werden.
Darüber hinaus drängte der Bayerische Ärztetag auf ein Werbeverbot für Junk-Food im Fernsehen und auf Streamingdiensten zwischen sechs und 23 Uhr sowie in sozialen Medien, Onlinevideos und Games.
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