Behindertenbeauftragter will mehr Investitionen in Barrierefreiheit

Berlin – Deutschland muss deutlich mehr in Barrierefreiheit investieren. Dafür macht sich der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Jürgen Dusel, stark.
„Insbesondere die Verpflichtung privater Anbieter zur Barrierefreiheit muss endlich ernsthaft angegangen werden, sei es beim Thema barrierefreie Arztpraxen, beim Wohnungsbau oder auch bei digitalen Angeboten“, sagte er vorgestern bei der Übergabe der Teilhabeempfehlungen an die Bundesregierung.
Anlass für die Übergabe ist das zehnjährige Jubiläum des Inkrafttretens der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland. Dusel betonte, dass Inklusion eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei und damit auch eine gemeinsame Aufgabe aller Ressorts der Bundesregierung.
Dusel fordert in den Empfehlungen eine gesetzliche Verpflichtung zur Barrierefreiheit für alle Anbieter von Produkten und Dienstleistungen, die für die Allgemeinheit bestimmt sind. Dazu gehörten auch Arztpraxen. „Ein finanzielles Förderprogramm für den barrierefreien Umbau ärztlicher Praxen muss aufgebaut werden“, heißt es explizit in den Empfehlungen.
Gesundheit als Menschenrecht
Zum gestrigen Tag der Menschenrechte erinnerte die Ärztekammer Schleswig-Holstein daran, dass auch Gesundheit ein Menschenrecht sei. Der Präsident der Kammer, Henrik Herrmann, forderte, jedem Menschen den Zugang zur medizinischen Versorgung zu gewähren. Außerdem müssten allen Menschen Angebote nutzen können, die sie zu Gesundheitsfragen informieren.
Menschen ohne Ausweispapiere, ohne festen Wohnsitz sowie geflüchtete und selbstständig tätige Menschen seien besonders gefährdet, nicht den Schutz des Solidarsystems zu erfahren. Sie könnten oft nicht für ihre Kassenbeiträge aufkommen oder seien durch einen Krankheitsfall nicht mehr in der Lage dazu. „So etwas darf es in einem Land, das für sein qualitativ hochwertiges Gesundheitssystem bekannt ist, nicht geben“, betonte Herrmann.
Ottmar von Holtz (Grüne), Obmann im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung des Bundestages, erinnerte daran, dass rund die Hälfte der Weltbevölkerung ohne zuverlässigen Zugang zu gesundheitlicher Versorgung lebe.
Er fordert, „bei einem größeren finanziellen Engagement der Bundesregierung sollte der Fokus auf der Stärkung der Gesundheitssysteme in Entwicklungsländern liegen. Dabei sollten Programme besonders unterstützt werden, die bislang diskriminierten Gruppen Zugang zu einer guten medizinischen Versorgung eröffnen. Dadurch könnte etwa die Kinder- und Müttersterblichkeit gesenkt werden“, so von Holtz.
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