Bericht sieht Verbesserungsbedarf bei Entscheidungen zu invasiven Koronarrevaskularisationen

Berlin – Die Entscheidung zwischen den Möglichkeiten für invasive Koronarrevaskularisationen erfolgt bei Menschen mit koronarer Herzerkrankung (KHK) möglicherweise häufig nicht leitliniengerecht. Betroffene werden zudem oftmals nur unzureichend in die Therapieentscheidung einbezogen.
Zu diesem Ergebnis kommt das vom Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) geförderte Projekt „Revask“ unter Leitung des InGef – Institut für angewandte Gesundheitsforschung Berlin.
Das Projekt untersuchte die Versorgung aus vier unterschiedlichen Perspektiven. Im ersten Modul wurden Routinedaten der Techniker Krankenkasse, der Barmer sowie der InGef-Forschungsdatenbank aus den Jahren 2016 bis 2021 ausgewertet. Insgesamt flossen Daten von 29.777 Personen mit chronischer KHK in die Analysen ein.
Im zweiten Modul wurden Leistungserbringer mittels Experteninterviews, Vor-Ort-Begehungen und Befragungen untersucht. Es zeigte sich: Herzteams waren vor allem in Kliniken mit Herzchirurgie etabliert, ihre Arbeit wurde jedoch nur selten dokumentiert. Lediglich etwa ein Drittel der Befragten gab an, die Nationale Versorgungsleitlinie zur chronischen KHK regelmäßig zu nutzen.
Eine Patientenbefragung in Modul 3 zeigte, dass Betroffene nach einer Bypassoperation häufiger über Ängste und eine geringere Lebensqualität berichteten. Gleichzeitig beschrieben viele Teilnehmende Informationsdefizite und eine uneinheitliche Beratung.
Auch die Aufklärung über Behandlungsalternativen wurde häufig als unzureichend wahrgenommen. Shared Decision Making – also die partizipative oder gemeinsame Entscheidungsfindung – spielte nach Angaben der Befragten nur selten eine Rolle, obwohl die gemeinsame Entscheidungsfindung als wichtig bewertet wurde.
Das vierte Modul verknüpfte Routinedaten mit den Ergebnissen der Befragungen, um zu untersuchen, ob ausgeprägte interdisziplinäre Entscheidungsstrukturen zu einer leitliniengerechteren Indikationsstellung beitragen.
„Die Wahl des Eingriffs richtet sich primär nach medizinischen Parametern, jedoch nicht immer leitliniengerecht“, lautet das Fazit des Berichtes. Herzteams und strukturierte Entscheidungsprozesse seien „nicht flächendeckend etabliert“, Patienten würden „unzureichend einbezogen“.
Um die Qualität der Versorgung zu verbessern, seien verbindliche interprofessionelle Entscheidungsstrukturen und patientengerechte Informationsangebote notwendig, so das Forschungsteam
Der Innovationsfonds wird die Ergebnisse des Projektes an den Unterausschuss Qualitätssicherung sowie den Unterausschuss Disease-Management-Programme des G-BA weiterleiten.
Darüber hinaus erhalten die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK), die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz und Gefäßchirurgie (DGTHG), die Deutsche Herzstiftung und andere die Ergebnisse.
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