Bestimmte antibiotikaresistente Infektionen treten in sozial benachteiligten Regionen häufiger auf

Berlin – In sozioökonomisch benachteiligten Regionen Deutschlands treten bestimmte antibiotikaresistente Infektionen deutlich häufiger auf als in wohlhabenderen Regionen.
Das sind die zentralen Ergebnisse einer Studie des Robert-Koch-Instituts (RKI), die das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) im Versorgungsatlas als deutschsprachige Kurzfassung veröffentlicht hat (2026; DOI: 10.20364/VA-26.06). Die Originalstudie war im Jahr 2025 in Eurosurveillance erschienen (2025; DOI: 10.2807/1560-7917.ES.2025.30.28.2400723).
Laut der Studie ist der Zusammenhang zwischen sozioökonomischer Lage und antibiotikaresistenten Infektionen bei invasiven Infektionen mit Methicillin-resistentem Staphylococcus aureus (MRSA) besonders ausgeprägt: Die Infektionshäufigkeit in Regionen mit der niedrigsten sozioökonomischen Position ist demnach rund 4,8-mal so hoch wie in Regionen mit der höchsten Position.
Besonders stark fiel der Zusammenhang in Großstädten aus. Auch in dünn besiedelten ländlichen Regionen war eine ausgeprägte Assoziation erkennbar. In anderen ländlichen Kreisen ließ sich dagegen kein statistisch signifikanter Zusammenhang nachweisen.
Als mögliche Erklärungen nennt das Autorenteam unter anderem beengte Wohnverhältnisse, häufigere enge Kontakte, Unterschiede in der Gesundheitskompetenz und im Zugang zur medizinischen Versorgung sowie eine höhere Krankheitslast. In dünn besiedelten Regionen könnte zusätzlich die intensive Nutztierhaltung eine Rolle spielen.
„Antibiotikaresistenzen sind nicht nur eine medizinische, sondern auch eine gesellschaftliche Herausforderung. Die ausgezeichnete Untersuchung zeigt, dass die sozialen und regionalen Lebensbedingungen bei der Verbreitung bestimmter resistenter Krankheitserreger eine wichtige Rolle spielen können“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dominik von Stillfried.
Wer Infektionen wirksam verhindern und gesundheitliche Ungleichheiten abbauen wolle, müsse deshalb nicht nur auf Verordnungszahlen schauen, sondern auch die unterschiedlichen Lebens- und Versorgungsbedingungen vor Ort berücksichtigen, so der Zi-Vorstand.
Für Infektionen mit Carbapenem-resistenten Acinetobacter-Arten (CRA) und Carbapenem-resistenten Enterobacterales (CRE) zeigte sich in der Untersuchung kein entsprechender statistisch signifikanter Zusammenhang mit der regionalen sozioökonomischen Position. Dies deutet der Studiengruppe zufolge darauf hin, dass sich die Bedeutung sozialer und räumlicher Faktoren je nach Erreger und deren Übertragungswegen unterscheidet.
„Die Ergebnisse liefern wichtige Hinweise darauf, wo Präventionsmaßnahmen besonders wirksam ansetzen könnten. Gerade bei MRSA sollten wir stärker auf regional angepasste Strategien setzen, die risikoorientierte Untersuchungen, verständliche Gesundheitsinformationen und gezielte Infektionsprävention miteinander verbinden“, betonte von Stillfried.
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