Vermischtes

Biontech-Gründer verlassen Unternehmen und gründen neues

  • Dienstag, 10. März 2026
Die Biontech-Gründer Ugur Sahin (rechts) und Özlem Türeci /picture alliance, Boris Roessler
Die Biontech-Gründer Ugur Sahin (rechts) und Özlem Türeci /picture alliance, Boris Roessler

Mainz – Die Impfstoffpioniere und Biontech-Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci werden das in der Coronapandemie weltweit bekannt gewordene Unternehmen verlassen und ein neues gründen. Die Eheleute scheiden spätestens Ende 2026 aus, dann enden ihre aktuellen Dienstverträge, wie Biontech in Mainz mitteilte.

Ihr neues Biotechnologieunternehmen soll sich demnach auf die Entwicklung der nächsten Generation von Medikamenten auf mRNA-Basis widmen. Anteilseigner von Biontech wollen die Eheleute aber bleiben, derzeit halten sie nach Unternehmensangaben rund 15 Prozent.

Geplant ist laut Biontech, Rechte und mRNA-Technologien in das neue Unternehmen einzubringen. Im Gegenzug bekomme Biontech eine Minderheitsbeteiligung an der neuen Firma sowie Lizenzgebühren. Auch seien Meilensteinzahlungen vereinbart worden, Biontech wird also bei Erreichen bestimmter Entwicklungsschritte Geld von dem neuen Unternehmen erhalten. Eine bindende Vereinbarung hierzu soll bis Ende des ersten Halbjahres 2026 abgeschlossen werden, erklärte Biontech.

Sahin und Türeci hatten Biontech 2008 gegründet. Ziel war die Entwicklung von Krebstherapien auf mRNA-Basis. In der Coronapandemie wurden kurzerhand dann alle Kapazitäten der Mainzer in die Entwicklung eines mRNA-Vakzins gegen COVID-19 gesteckt – mit Erfolg.

Das Unternehmen gewann das Wettrennen gegen eine Reihe von Mitbewerbern und erhielt gemeinsam mit dem US-Partner Pfizer die erste Marktzulassung für einen Coronaimpfstoff.

Viele Auszeichnungen und satte Gewinne

Biontech verdiente in der Folge Milliarden und expandierte kräftig. Sahin und Türeci erhielten zahlreiche renommierte Auszeichnungen, darunter 2021 das Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und 2022 gemeinsam mit ihrer einstigen Weggefährtin und späteren Nobelpreisträgerin Katalin Karikó den Paul-Ehrlich- und Ludwig-Darmstaedter-Preis, einen der wichtigsten Medizinpreise Deutschlands.

Jahre nach der Pandemie sind Gewinn und Umsätze bei Biontech wieder deutlich geschrumpft, und obwohl das Geschäft mit dem Coronavakzin weiterläuft, steht längst wieder die Forschung an mRNA-Therapien gegen Krebs und andere Krankheiten im Mittelpunkt.

Hoffnung auf Zulassungen in der Onkologie

Die Hoffnungen für die Zukunft ruhen auf mehreren späten klinischen Studien für Krebspräparate. Biontech peilt bis 2030 mehrere Zulassungsanträge für Onkologietherapien an.

Und warum nun der Ausstieg Sahins und Türecis? „Özlem und ich wollen ein weiteres Mal als Pioniere neue Wege beschreiten“, sagte Sahin in einer Mitteilung. Es sei schon immer ihre Vision gewesen, Wissenschaft in Fortschritte für Patientinnen und Patienten zu überführen. Nun biete sich die Chance, die nächste Generation an Innovationen zu erschließen. Sowohl Sahin als auch Türeci sind Kinder türkischer Einwanderer.

Sahin zog im Alter von vier Jahren mit seiner Familie nach Köln, wo sein Vater bei Ford arbeitete. Türeci wuchs im niedersächsischen Landkreis Cloppenburg auf, ihr Vater arbeitete als Arzt in einem katholischen Krankenhaus. Die beiden lernten sich während ihrer medizinischen Ausbildung an der Uniklinik im saarländischen Homburg kennen, gemeinsam gingen sie später nach Mainz.

Ausstieg nach Curevac-Übernahme

Die Ankündigung dieses Schritts erfolgt einige Monate nach einem großen Deal in der deutschen Biotechnologiebranche. Biontech hatte den einstigen Konkurrenten im Rennen um einen Coronaimpfstoff, das Tübinger Unternehmen Curevac, übernommen. Zuvor hatten Biontech und Curevac ihren Streit um Coronavakzinpatente beigelegt.

Nach dem angekündigten Abschied von Sahin und Türeci hat der Aufsichtsrat von Biontech nun damit begonnen, die Nachfolge zu klären, um einen reibungslosen Übergang sicherzustellen, wie es hieß.

Sahin und Türeci hätten im Laufe ihrer Karriere immer wieder ihre Innovationskraft unter Beweis gestellt, sagte Aufsichtsratschef Helmut Jeggle. Man unterstütze sie bei ihrer Entscheidung, „die Chance zu ergreifen ihre Stärken und volle Aufmerksamkeit einem neuen Unternehmen zu widmen, um das volle Potenzial von mRNA-basierten Technologien auszuschöpfen.“

Wie das neue Unternehmen heißen, wo es sitzen und welche Gesellschaftsform es haben wird, ist noch nicht bekannt. Es soll aber definitiv keine Tochtergesellschaft von Biontech werden. Für Sahin und Türeci ist es nach Biontech (2008) und Ganymed Pharmaceuticals (2001) die dritte Gründung.

Das Impfstoffgeschäft von Biontech und die weitere Entwicklung der Pipeline mit möglichen neuen Produkten bleibe von dem Ausstieg der beiden unberührt, betonte Biontech. Sahin sagte, er und Türeci hätten Biontech in 18 Jahren von einem Start-up zu einem globalen biopharmazeutischen Unternehmen aufgebaut. Das Unternehmen sei sehr gut aufgestellt, um sich als kommerzielles Biopharmaunternehmen mit mehreren zugelassenen Produkten zu etablieren.

Das werden Sahin und Türeci, die trotz des ganzen wirtschaftlichen Erfolgs im Herzen stets Wissenschaftler geblieben waren, nun ein Stück weit von der Seitenlinie aus begleiten.

Biontech macht rund eine Milliarde Euro Verlust

Angesichts weiter hoher Entwicklungskosten hat Biontech im Geschäftsjahr 2025 einen Milliardenverlust hinnehmen müssen. Er belief sich auf netto 1,12 Milliarden Euro, wie das Biotechnologieunternehmen mitteilte. Das war deutlich mehr als im vorangegangenen Geschäftsjahr mit 665,3 Millionen Euro.

Der Umsatz der Mainzer kletterte 2025 demnach auf 2,87 Milliarden Euro (Vorjahr: 2,76 Milliarden). Als Grund dafür nannte Biontech Erlöse aus der Kooperation mit dem US-Pharmakonzern Bristol Myers Squibb.

Für das laufende Jahr 2026 erwartet das Unternehmen Erlöse zwischen 2,0 und 2,3 Milliarden Euro. Diese sollten die geplanten Forschungs- und Entwicklungskosten von 2,2 bis 2,5 Milliarden Euro ausgleichen, hieß es.

„Unsere solide finanzielle Position treibt unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten voran und reduziert gleichzeitig deren Risiken, während wir uns auf mehrere Produkteinführungen in den kommenden Jahren vorbereiten“, sagte Finanzvorstand Ramon Zapata.

dpa

Diskutieren Sie mit:

1

Diskutieren Sie mit

Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.

Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.

Kommentare (1)

Newsletter-Anmeldung

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes.

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterherzurennen: Newsletter Tagesaktuelle Nachrichten

Zur Anmeldung