Medizin

Blutfettwerte: Genderunterschiede größer als vermutet

  • Donnerstag, 14. Juli 2016
Mit einer Massenspektrometrie kann die Blutfettanalyse vorgenommen werden. Quelle: Stephan Wiegand / Medizinische Fakultät TU Dresden, Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit und Marketing Hinweis zur Verwendung von Bildmaterial: Die Verwendung des Bildmaterials zur Pressemitteilung ist bei Nennung der Quelle vergütungsfrei gestattet. Das Bildmaterial darf nur in Zusammenhang mit dem Inhalt dieser Pressemitteilung verwendet werden. Falls Sie das Bild in höherer Auflösung benötigen oder Rückfragen zur Weiterverwendung haben, wenden Sie sich bitte direkt an die Pressestelle, die es veröffentlicht hat. Uploaded: 14.07.2016 10:49:43 by gießelmann
Blutfettanalyse mit Massenspektrometrie /Stephan Wiegand, TU Dresden

Dresden – Männer und Frauen unterscheiden sich wesentlich stärker in ihren Blutfetten als bisher angenommen. In einer Studie zeigten einige Männer trotz normaler Blutfettwerte bereits frühe Anzeichen eines gestörten Fettstoffwechsels, die die Gefahr einer späteren Gefäßschädigung in sich trugen. Zudem entdeckten die Forscher, dass sich die Einnahme oraler Kontrazeptiva bei Frauen auf das Blutlipidmuster auswirkte. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in nature Scientific Reports (doi:10.1038/srep27710).

Das erste unerwartete Ergebnis war, dass sich 112 der 281 gemessenen Blutfettmo­leküle hochsignifikant zwischen Frauen und Männern unterschieden. Für neu zu planende Untersuchungen des Blutfettmusters bedeutet das separate Analysen für Frauen und Männer, die durch statistische Verfahren gemischtgeschlechtlicher Untersuchungsgruppen allein nicht realisiert werden können.

Eine weitere Überraschung erläutert Jürgen Gräßler, Leiter des Bereiches für Pathologische Biochemie der Medizinischen Klinik 3 an der TU Dresden: „Nach einer gesonderten Auswertung der Blutfettprofile von Frauen, die orale Kontrazeptiva einnahmen, haben wir plötzlich gesehen, dass die bisher stoffwechselmäßig als harmlos angesehenen Präparate doch eine Auswirkung auf den Fettstoffwechsel haben. Es kam zu auffälligen Veränderungen, die auf eine Reizung der Leberzellen und einer damit einhergehenden allgemein erhöhten Entzündungsaktivität schließen lassen.“ Persönliche Berichte von Frauen, die nach Beginn der Einnahme von Kontrazeptiva über eine Zunahme des Körperfetts klagten, stützen diesen Befund. Der Effekt der oralen Kontrazeption auf das Blutfettmuster ist ein zentrales Einflussmoment, das bei künftigen Studien Beachtung finden muss.

Eine grundlegend neue Erkenntnis ergab sich nach mathematischen Analysen einer Subpopulation von Männern, die am Biotechnologischen Zentrum der TU Dresden (BIOTEC) unter Leitung von Carlo V. Cannistraci durchgeführt wurden. Circa 20 % aller untersuchten Männer zeigten ein ähnliches Blutfett­muster wie man es in wesentlich stärkerer Ausprägung bei Patienten mit metabolischem Syndrom beobachtet. Nur, dass diese Männer zu diesem Zeitpunkt einen normalen Body-Mass-Index und normale (klinisch-chemische) Blutfettwerte hatten. Die biochemische Signatur für das metabolische Syndrom ist demzufolge lange vor dessen klinischer Ausprägung vorhanden, folgern die Studienautoren. Auch bei den Frauen war diese Konstellation erkennbar, allerdings deutlich seltener.

In Zukunft sollen Veränderungen des Blutlipidmusters frühzeitig untersucht werden, um Schäden an Gefäßen und Organen vorbeugen zu können. „Mittels moderner Analysemethoden wie der Massenspektrometrie lassen sich heute schon mehr als 280 verschiedene Fettmoleküle im Blut bestimmen. Unklar ist allerdings noch, welche dieser Moleküle die wichtigen Informationen über Krankheitsentstehung und deren Verlauf liefern“, so Gräßler. Um diese Frage beantworten zu können, ist die Definition eines „gesunden Blutfettmusters (Lipidoms)“ von entscheidender Bedeutung.

gie

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