Brasilien: Malaria von Brüllaffen auf Ökotouristen übertragen

Rio de Janeiro – Ein rätselhafter Ausbruch der Malaria in Südbrasilien, wo die Tropenkrankheit seit 50 Jahren überwunden schien, konnte jetzt auf zoonotische Infektionen mit P. simium zurückgeführt werden. Es sind die ersten sicher dokumentierten Übertragungen der bei Neuweltaffen endemischen Plasmodien-Art auf den Menschen. Ob die Erreger beim Menschen eine größere Epidemie hervorrufen könnten, ist laut dem Bericht im Lancet Global Health (2017; doi: 10.1016/S2214-109X(17)30333-9) nicht bekannt.
Auch Affen können an einer Malaria erkranken. Es gibt sogar mehr Plasmodium-Arten als beim Menschen. Zoonotische Übertragungen auf den Menschen sind jedoch selten. Die einzige Ausnahme bildete bisher P. knowlesi, das neben Makaken auch Menschen infiziert. P. knowlesi ist in Malaysia sogar der häufigste Malariaerreger beim Menschen.
Ein Team um Patrícia Brasil vom Instituto Nacional de Infectologia Evandro Chagas in Rio de Janeiro kann jetzt nachweisen, dass auch Plasmodium simium, das seit Längerem bei Neuweltaffen bekannt war, den Menschen infizieren kann. Überträger ist die Stechmücke Anopheles (Kerteszia) cruzi.
Die Forscher untersuchten eine rätselhafte Häufung von 49 Malariafällen, zu denen es 2015/2016 in Rio de Janeiro gekommen war. Alle Infizierten hatten eine negative Reiseanamnese: Sie hatten keine Regionen Brasiliens oder andere Länder besucht, in denen die Malaria verbreitet ist. Sie mussten sich deshalb in der Umgebung ihres Wohnorts infiziert haben. In Rio de Janeiro hatte es jedoch seit 50 Jahren keine autochthonen Malariafälle mehr gegeben.
Die genauen Befragungen ergaben, dass alle Infizierten vor der Infektion die Mata Atlântica, einen Regenwald in der Nähe der Atlantikküste, besucht hatten. Überwiegend waren es Ökotouristen, die sich in den dichten Wald gewagt hatten, der von Einheimischen eher gemieden wird.
Die meisten Patienten erkrankten an einer Malaria tertiana, bei der es alle drei Tage zu einem Fieberschub kommt. Nach einer lichtmikroskopischen Untersuchung wurde zunächst eine Infektion mit P. vivax vermutet, das eine relativ milde Malaria verursacht. Sollte dieser Erreger, der sich schnell bei Menschen ausbreiten kann, wieder eingeschleppt worden sein?
Die genetische Untersuchung ergab dann, dass es sich bei dem Erreger doch nicht um P. vivax handelte, sondern um P. simium. Dieser Malariaparasit wurde 1951 bei Brüllaffen und Kapuzineraffen entdeckt. Sein Ausbreitungsgebiet ist auf die Mata Atlântica beschränkt.
Bisher war nicht bekannt, dass P. simium Menschen infiziert (von einem zweifelhaften Fall aus dem Jahr 1963 abgesehen). Es ist jedoch vorstellbar, dass frühere Infektionen von Menschen mit P. simium als P. vivax fehlgedeutet wurden. Beide Erreger sind sich genetisch sehr ähnlich. Die Forscher vermuten, dass sich P. simium in der Evolution von P. vivax abgespalten und auf die Infektion von Affen spezialisiert hat. P. vivax wurde vermutlich erst nach der Entdeckung Amerikas von Einwanderern eingeschleppt.
Die P.-simium-Infektionen ließen sich relativ einfach behandeln. Alle Patienten sprachen auf Chloroquin und Primaquin an. Kein Patient musste hospitalisiert werden. Bislang sind keine Übertragungen von P. simium unter Menschen aufgetreten. Auszuschließen ist dies laut Brasil allerdings nicht. Unklar ist auch, ob Anopheles cruzi der einzige Vektor ist oder ob auch andere Mücken den Parasiten übertragen könnten.
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