Ärzteschaft

Cannabis: Studie belegt für Ärzte Gefahren der Legalisierung

  • Mittwoch, 3. Mai 2023
/The Colonel, stock.adobe.com
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Berlin – Die Bundesärztekammer (BÄK) warnt erneut eindringlich vor einer Legalisierung von Cannabis. Eine gestern vorgelegte Untersuchung zeige die Gefahren deutlich auf, sagte BÄK-Präsident Klaus Reinhardt heute.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) betone immer wieder, dass er wissenschaftliche Evidenz zur Grundlage seiner politischen Entscheidungen machen wolle, erklärte Reinhardt. Wenn das sein Anspruch sei, müsse er seine Gesetzespläne „gundlegend überdenken“.

Für Reinhardt bestätigen die Ergebnisse der Metastudie des Hamburger Instituts für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung, wovor die Ärzteschaft seit Jahren warnt. „Die Legalisierung von Cannabis führt zur Ver­harmlosung einer Droge, die nachgewiesenermaßen abhängig macht und zu schweren Entwicklungsschäden gerade bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen führen kann“, erklärte der BÄK-Chef.

Dazu passe, dass von der erhofften Austrocknung des Schwarzmarktes keine Rede sein könne. Drei Jahre nach der Legalisierung beschafften sich in Kanada gerade einmal zwei Drittel der Konsumenten ihr Cannabis nach eigenen Angaben ausschließlich auf legalem Wege, verweist er auf die Studienergebnisse. In Län­dern wie Uruguay liege der Anteil des legalen Marktes bei nicht einmal 50 Prozent.

„Aufhorchen lassen sollte auch die Warnung der Gutachter, dass profitorientierte Unternehmen nicht nur die Verdrängung illegaler Anbieter anstreben könnten, sondern auch auf die Erschließung neuer Gruppen von Konsumierenden abzielen“, sagte Reinhardt. „Dieses Land braucht keine Cannabislegalisierung. Es braucht stattdessen eine Drogenpolitik, die entschieden auf mehr Präventions- und Hilfsangebote gerade für junge Menschen setzt“, mahnte er.

Auch Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek forderte die Bundesregierung heute auf, Konsequenzen aus dem neuen Gutachten zu ziehen. Er sprach von einer „Bankrotterklärung für die Legalisierungspläne der Bundesregierung“.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und seine Ampelkoalition müssten sich dafür verantworten, dass sie durch die Legalisierung sehenden Auges eine langfristige Zunahme des Konsums von Cannabis bei Erwachsenen und insbesondere auch bei jungen Menschen begünstigen. „Das ist angesichts der gesundheitlichen Risiken unverantwortlich“, so Holetschek.

Der Minister fügte hinzu: „Bayern setzt stattdessen auf Prävention, unter anderem mit einem neuen umfassen­den Projekt an den Schulen. Ich würde mir wünschen, dass Lauterbach auf echten Gesundheits- und Jugend­schutz setzt und seine Legalisierungspläne komplett fallen lässt.“

Die Ausgestaltung der Cannabislegalisierung wird ein Drahtseilakt für die Ampelkoalition. Die vom Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung (ISD) in Hamburg erarbeitete Studie macht ein klares Spann­ungs­verhältnis zwischen den Zielen der Austrocknung des Schwarzmarkts sowie dem Jugendschutz – laut Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) beides Hauptziele der geplanten Reform – aus.

may/EB

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