Charité-Team berichtet über experimentelle Behandlung von Bundibugyo-Ebola-Patient

Berlin – Die Charité Berlin hat zwischen dem 20. Mai und dem 6. Juni einen 39-jährigen Mann versorgt, der sich in der Demokratischen Republik Kongo mit dem Bundibugyo-Ebolavirus infiziert hatte.
Jetzt berichtet das Behandlungsteam in Nature Medicine über die experimentelle Therapie des Patienten und eine Postexpositionsprophylaxe bei fünf Mitgliedern seiner Familie (2026; DOI: 10.1038/s41591-026-04663-5 und 10.1038/s41591-026-04664-4).
Das Bundibugyo-Virus gehört zu den Ebolaviren und kann schwere Erkrankungen verursachen. Die Sterblichkeit liegt bei etwa 40 %. Sie ist damit niedriger als bei Infektionen mit dem Zaire-Ebolavirus. Für das Bundibugyo-Virus gibt es bislang weder eine zugelassene spezifische Therapie noch einen zugelassenen Impfstoff.
Bei dem in Berlin behandelten Patienten handelt es sich um einen US-amerikanischen Arzt, der sich bei der Versorgung einer Patientin in der Demokratischen Republik Kongo infiziert hatte. Wegen der rasch fortschreitenden Erkrankung wurde der Arzt zur Behandlung nach Deutschland evakuiert und auf der Sonderisolierstation der Charité aufgenommen.
Noch keine zugelassene Therapie
„Er erhielt eine Kombinationstherapie aus MBP134, einem experimentellen Präparat aus zwei monoklonalen Antikörpern gegen Ebolaviren, und dem antiviralen Medikament Remdesivir sowie eine umfassende unterstützende Behandlung“, berichtet nun Leif Erik Sander, Direktor der Klinik für Infektiologie und Intensivmedizin der Charité.
Die Forschenden verfolgten während der Behandlung die Viruslast und die Immunantwort, zudem wurde das Virusgenom sequenziert. Die Viruskonzentrationen waren anfangs sehr hoch, insbesondere im Rachen und im Blut. Anschließend nahm die Viruslast kontinuierlich ab.
Am 13. Krankheitstag, 9 Tage nach Beginn der experimentellen Therapie, war in Blut, Rachen, Urin und Stuhl keine Virus-RNA mehr nachweisbar. Im Sperma ließ sie sich noch an Tag 20 nachweisen, an Tag 25 nicht mehr.
Die Genomanalyse zeigte zudem, dass das Virus eng mit anderen Proben des aktuellen Ausbruchs verwandt ist, sich aber von den Bundibugyo-Viren der Ausbrüche von 2007 und 2012 unterscheidet. „Das deutet darauf hin, dass das Virus im aktuellen Ausbruch wieder neu vom Tier auf den Menschen übertragen wurde“, so Sander.
Eigene Immunantwort trotz Behandlung mit Antikörpern
Im Serum des Patienten fanden die Forschenden neutralisierende Antikörper gegen das aktuelle Bundibugyo-Virus sowie gegen weitere Ebolaviren. Darüber hinaus konnten sie eine körpereigene Antikörperantwort nachweisen, die weder auf MBP134 noch auf eine frühere Impfung gegen das Zaire-Ebolavirus zurückzuführen war. Die Behandlung mit den monoklonalen Antikörpern hatte die eigene humorale Immunantwort gegen das Bundibugyo-Virus demnach nicht verhindert.
Der Patient erholte sich und konnte 22 Tage nach Symptombeginn entlassen werden. Für das Behandlungsteam kam die rasche Besserung überraschend. „Der Patient hatte zu Beginn seiner Erkrankung innerhalb kurzer Zeit schwere Krankheitssymptome und sehr hohe Viruslasten. Deshalb hatten wir uns auf einen langen Krankheitsverlauf, eine mögliche Verschlechterung seines Zustands und intensivmedizinische Maßnahmen vorbereitet“, berichtet Sander.
Stattdessen habe sich sein Zustand innerhalb weniger Tage nach Beginn der experimentellen Therapie deutlich verbessert. Bereits ab dem 7. Krankheitstag war eine deutliche klinische Besserung zu beobachten. Ob MBP134 und Remdesivir dazu beigetragen haben, lässt sich aus einem einzelnen Fall jedoch nicht beurteilen. Das Forschungsteam betont, dass weder der klinische Verlauf noch die virologischen Befunde eindeutig der Therapie oder einzelnen Bestandteilen der Behandlung zugeschrieben werden können. Dies müsse in klinischen Studien weiter untersucht werden.
Eine solche klinische Studie startete kürzlich in der Demokratischen Republik Kongo. Die von der WHO finanzierte PARTNERS-Studie untersucht drei Behandlungsansätze: Remdesivir, den Antikörpercocktail MBP134 und eine Kombination aus beiden Präparaten.
Familie erhielt experimentelle Postexpositionsprophylaxe
In einem zweiten Beitrag berichten die Medizinerinnen und Mediziner der Charité über die 5 Familienmitglieder des Patienten: seine ebenfalls als Ärztin tätige 38-jährige Ehefrau und die 4 Kinder im Alter von 1- 7 Jahren (Nature Medicine 2026; DOI: 10.1038/s41591-026-04664-4).
Alle hatten engen Kontakt zu dem später erkrankten Mann. Die Ehefrau hatte darüber hinaus selbst ungeschützten Kontakt zu der Patientin gehabt, die als wahrscheinliche Infektionsquelle ihres Mannes gilt. Ihr Expositionsrisiko wurde als hoch, das der Kinder als mittel bis hoch eingestuft.
Die Familie wurde 5 Tage nach der letzten bekannten Exposition auf der Sonderisolierstation der Charité aufgenommen. Als Postexpositionsprophylaxe erhielten alle 5 im Rahmen individueller Heilversuche einmalig MBP134 in einer Dosierung von 50 mg/kg. Die Mutter und das 1-jährige Kind wurden an Tag 5 nach der Exposition behandelt, die übrigen Kinder an Tag 6.
„Durch die Verabreichung eines experimentellen Antikörperpräparats wollten wir das Risiko einer Ebolaerkrankung bei den 5 Kontaktpersonen minimieren und neue Erkenntnisse über die Sicherheit und Verträglichkeit dieser Postexpositionsprophylaxe gewinnen. Dazu hatten wir uns insbesondere vor dem Hintergrund der sehr hohen Sterblichkeit von Ebola bei Kleinkindern entschieden“, so Sander.
MBP134 enthält 2 breit neutralisierende monoklonale Antikörper und hatte in Untersuchungen an nicht-menschlichen Primaten vor einer tödlichen Bundibugyo-Virusinfektion geschützt. Als Postexpositionsprophylaxe beim Menschen war das Präparat bislang jedoch nicht untersucht worden.
Keines der Familienmitglieder erkrankt
Während der 21-tägigen Überwachung entwickelte keines der 5 Familienmitglieder klinische Zeichen einer Bundibugyo-Viruserkrankung. Auch die wiederholten PCR-Tests aus Blut und Rachen blieben durchgehend negativ. Die Infusionen wurden gut vertragen. Infusionsbedingte Reaktionen oder klinisch relevante unerwünschte Ereignisse wurden nicht beobachtet.
Nach der Behandlung fanden sich bei allen 5 Personen Antikörper, die verschiedene Ebolaviren einschließlich des Bundibugyo-Virus neutralisierten. „Das zeigt, dass die verabreichten Antikörper im Blut der Familienmitglieder nachweisbar und aktiv waren“, so Sander.
Besonders auffällig war die Immunantwort der Mutter. Zusätzlich zu den mit MBP134 verabreichten IgG-Antikörpern entwickelte sie körpereigene IgM- und IgA-Antikörper gegen das Bundibugyo-Virus. Bei den Kindern wurde eine solche Antwort nicht gefunden.
Und die PCR-Tests der Mutter blieben während der gesamten Beobachtungszeit negativ und sie entwickelte keine Krankheitssymptome. „Die Antikörperantwort könnte daher auf einen ‚stillen‘ Kontakt des Immunsystems mit dem Virus hindeuten, ohne dass es zu einer nachweisbaren Infektion oder Erkrankung kam“, so Sander.
Klinische Studien dringend erforderlich
Ob MBP134 tatsächlich eine Erkrankung verhindert hat, kann die kleine Fallserie nicht zeigen. Sie liefert jedoch erste klinische Daten zur Anwendung des Antikörperpräparats als Postexpositionsprophylaxe bei Erwachsenen und kleinen Kindern und unterstützt nach Einschätzung der Forschenden eine systematische Untersuchung in prospektiven Studien.
Seit Mai 2026 kommt es in der Demokratischen Republik Kongo und in Uganda zu einem Ausbruch des Bundibugyo-Ebolavirus. Gegen diese Ebolavirus-Spezies gibt es bislang weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine spezifische Therapie. Die Eindämmung wird durch die humanitäre Krise in der Region, die schwierige Sicherheitslage sowie eine hohe Mobilität der Bevölkerung erschwert.
Am 18. August hat das Notfallkomitee der WHO den Ausbruch erneut bewertet und seine Empfehlungen zur Eindämmung aktualisiert. Neben verstärkter Überwachung, Kontaktnachverfolgung und Infektionskontrolle fordert die WHO insbesondere klinische Studien zu möglichen Therapien und Postexpositionsprophylaxen sowie zu Impfstoffkandidaten. Das Risiko im Kongo stuft sie weiterhin als sehr hoch ein.
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