Zustand von Berliner Ebola-Patient war lebensbedrohlich

Berlin – Der Zustand des mittlerweile genesenen Ebola-Patienten auf der Berliner Charité war zwischenzeitlich lebensbedrohlich. Vor allem die Stunden zwischen dem Abflug des US-amerikanischen Arztes aus Uganda und der Ankunft in Deutschland seien kritisch gewesen, erklärte Leif Erik Sander, Direktor der Klinik für Infektiologie und Intensivmedizin der Berliner Charité, gestern bei einer Pressekonferenz in der Sonderisolierstation, auf der der Patient behandelt wurde.
„Das sind Stunden, in denen wir Sorge hatten, dass es sich so rasch verschlechtern könnte, dass er den Transport nicht mehr überlebt“, sagte Sander. „Es war definitiv eine lebensgefährliche Situation.“ Der Abtransport habe rund acht Tage nach dem mutmaßlichen Infektionszeitpunkt stattgefunden. Der Erkrankte habe da bereits neurologische Symptome wie Desorientierung gezeigt, die auf eine Enzephalopathie hindeuteten. Die Viruslast sei bei Eintreffen in der Charité enorm hoch gewesen, auch in den Schleimhäuten und den Atemwegen.
Er war zuvor in der Demokratischen Republik Kongo als Arzt tätig und hatte sich dort bei der Behandlung einer Patientin angesteckt, die später verstarb. Auch seine Frau und seine vier Kinder kamen in die Charité, hatten aber keine Symptome und befanden sich in einem getrennten Teil der Station in Quarantäne.
Die Frau sei ebenfalls Ärztin und habe im Kongo die gleiche Patientin wie ihr Mann behandelt, erklärte Sander. Bei Kindern könne Ebola sehr rasch zum Tode führen. Deswegen sei die Familie täglich untersucht worden.
Dem Patienten wurde Sander zufolge ein experimentelles Medikament namens MBP134 intravenös verabreicht, das aus isolierten monoklonalen Antikörpern Ebola-Infizierter hergestellt wurde. Das Präparat sei noch nicht zugelassen und werde derzeit in einer Phase-1-Studie klinisch getestet.
Weltweit seien erst sechs gesunde Menschen damit behandelt worden, sagte Sander. „Das heißt, die Datenlage ist sehr gering.“ Außerdem erhielt der Mann das Medikament Remdesivir, das auch zur Behandlung von Menschen mit COVID-19 eingesetzt wird, bis in PCR-Tests keine Viruslast mehr nachweisbar war. Seiner Frau und seinen Kindern war Remdesivir als Post-Expositions-Prophylaxe ebenfalls verabreicht worden.
Die Ärzte hätten den Eindruck gehabt, dass sich der Gesundheitszustand des Mannes mit dieser kombinierten Therapie „erstaunlich schnell“ gebessert habe. Die Rekonvaleszenz sei im Vergleich zu anderen Verläufen sehr zügig verlaufen. „Wir schieben das auf diese neuartige Kombinationstherapie“, so der Infektiologe. „Allerdings unter der Einschränkung: Wir wissen nicht, was passiert wäre, wenn diese Medikamente nicht verabreicht worden wären, so ist das bei individuellen Heilversuchen.“
Man könne daher nicht sicher sagen, ob das Präparat helfe. Zudem gebe es bisher kaum klinische Informationen zum Krankheitsverlauf bei Ansteckung mit der Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus, mit der der US-Amerikaner sich infiziert hatte. Es sei deshalb besonders wichtig, die Erkenntnisse aus der Behandlung mit der wissenschaftlichen Community zu teilen, betonte Sander.
Nach gut zwei Wochen Behandlung wurde der US-amerikanische Ebola-Patient vor wenigen Tagen aus dem Krankenhaus entlassen. Die Kosten der Behandlung hätten „im niedrigen siebenstelligen Bereich“ gelegen, erklärte der Charité-Vorstandsvorsitzende Heyo K. Kroemer. „Das hat noch niemand bezahlt, aber es entwickelt sich in die richtige Richtung.“ Der Patient habe eine Krankenversicherung. Die etwaige Zahlungsabwicklung werde nun zwischenstaatlich geregelt.
Es handele sich bei der Sonderisolierstation um „eine typische Vorhaltestruktur“, in der bis zu 20 Patienten behandelt werden können, erklärte Kroemer. Zuletzt sei die Station im Dezember 2024 aktiviert worden, als bei einer in Berlin ansässigen russischen Oppositionellen der Verdacht auf eine Vergiftung mit einem Nervenkampfstoff vorlag. Der Verdacht habe sich aber nicht bestätigt.
Er mahnte eine bessere Finanzierung solcher Strukturen an, um auf eventuelle Krisen wie Angriffe mit biologischen oder chemischen Mitteln vorbereitet zu sein. „Wir sollten auf mehr vorbereitet sein als einen Fall, der nur einen Einzelnen betrifft“, betonte er.
Im Kongo gibt es inzwischen mehr als 100 bestätigte Todesfälle, hunderte Menschen sind infiziert. Es wäre wichtig, neue Arten von Präparaten wie MBP134 Menschen in den Endemiegebieten zur Verfügung zu stellen, vor allem Helfenden, sagte Sander.
Die Voraussetzungen seien aber schwierig. „In den Ausbruchsgebieten fehlt es teilweise an allem.“ Die medizinische Ausstattung sei schlecht. Außerdem würden die Regionen zum Teil von Milizen kontrolliert. „Deswegen wäre meine Hoffnung, dass man das Medikament wirklich vor Ort bekommt, nicht so hoch.“
Der Ausbruch im Kongo blieb relativ lange unbemerkt, auch weil es laut Sander keine geeigneten Tests gab, die auf das Virus ansprangen. Der Charité-Virologe Christian Drosten habe maßgeblich daran mitgearbeitet, einen passenden PCR-Test zu entwickeln. Die Tests seien Laboren weltweit zur Verfügung gestellt worden.
Das Zimmer des US-amerikanischen Patienten auf der Sonderisolierstation der Charité ist nun wieder leer. Anfragen für die Aufnahme weiterer Ebola-Patienten gebe es derzeit nicht, sagte Sander. „Wenn wieder Patienten Hilfe brauchen, stehen wir natürlich zur Verfügung.“
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