Politik

Coronahotspot Bad Feilnbach: Nur sechs Prozent der Einwohner waren infiziert

  • Dienstag, 25. August 2020
/picture alliance, Daniel Bockwoldt
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Bad Feilnbach – Auch in den Hochburgen der Coronakrise hat sich der überwiegende Teil der Bevölkerung offenbar nicht mit dem Virus SARS-CoV-2 infiziert. Im oberbayerischen Bad Feilnbach etwa weisen nur sechs Prozent der Erwachsenen Antikörper gegen das Vi­rus auf und haben demnach eine Infektion durchgemacht. Dies zeigen Ergebnisse einer heute veröffentlichten Studie des Robert-Koch-Instituts (RKI).

Der zum Landkreis Rosenheim gehörende Ort ist nach Kupferzell in Baden-Württemberg die zweite Gemeinde, deren Einwohner im Rahmen der Coronamonitoring Lokalstudie von RKI-Wissenschaftlern vor Ort befragt und getestet wurden.

Die Testung umfasste im Zeitraum vom 23. Juni bis 4. Juli 2.153 Erwachsene. Auf akute Infektionen wurde per Abstrich und PCR getestet. Blutproben wurden auf IgG-Antikörper untersucht, positive Antikörpernachweise durch Neutralisationstests bestätigt. Zusätzlich wurden Daten per Fragebogen erhoben.

Wie auch schon in Kupferzell gab es auch in Bad Feilnbach zum Zeitpunkt der Studie kei­ne akuten Infektionen. Antikörper gegen SARS-CoV-2 wurden bei sechs Prozent der Studi­enteilnehmer nachgewiesen. Die mit 7,8 Prozent höchste Seroprävalenz fanden die Wissen­schaftler bei jungen Leuten im Alter von 18 bis 34 Jahren.

In Kupferzell waren bei 7,7 Prozent der Studienteilnehmer Antikörper gefunden worden. Ein Grund für den Unterschied könnte sein, dass dort früher getestet worden sei, erklärte RKI-Studienleiterin Claudia Santos-Hövener. Denn Antikörper könnten mit der Zeit zu­rück­gehen. Zudem sei die Zahl an Todesfällen in Bad Feilnbach höher gewesen als in der baden-württembergischen Gemeinde.

Die Antikörpertests im Rahmen der Studie wiesen 2,6-mal mehr Infektionen mit SARS-CoV-2 nach als bisher offiziell bekannt waren. Nachgewiesen waren etwa 160 Fälle unter 6.900 erwachsenen Einwohnern. Allerdings könnte der Dunkelzifferfaktor sogar noch höher liegen: 40 Prozent der Studien­teilnehmer, die nach eigenen Angaben eine SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht hatten, hätten keine Antikörper aufgewiesen, hieß es bei der Pressekonferenz.

Ein für die Wissenschaftler „überraschender“ Befund, wie Santos-Hövener sagte, der noch weiter analysiert werden müsse. In Kupferzell waren es 28 Prozent gewesen. Dennoch zeigten die Ergebnisse, dass der Großteil der Bevölkerung die Infektion nicht durchge­macht habe, hob Santos-Hövener hervor.

Die Studie ergab auch, dass 14,5 Prozent die Infektion ohne Symptome wie Atemnot, Husten oder Geruchs- und Geschmacksstörungen überstanden. Doch 85,5 Prozent der Seropositiven hatten laut Befragung mindestens ein für die Infektion charakteristisches Symptom gehabt.

Anders als die anderen Ergebnisse der Studie, sei diese Erkenntnis übertragbar, sagte Santos-Hövener: „Viele der Infizierten haben Symptome, weshalb ein symptombezogenes Testen auch Sinn macht“, betonte sie.

Die RKI-Wissenschaftlerin betonte, dass es sich bei den heute vorgestellten Ergebnisse um „erste Eckwerte“ handele und die in Bad Feilnbach gesammelten Daten weiter analy­siert würden. Im September wollen die RKI-Wissenschaftler mit einer Datenerhebung in Straubing beginnen. Die vierte Studiengemeinde steht dagegen noch nicht fest.

Letztlich müssten die Ergebnisse aller untersuchten Gemeinden – etwa auch Gangelt in Nordrhein-Westfalen oder Neustadt am Rennsteig in Thüringen – gemeinsam betrachtet werden, um ein umfassendes Bild zu erhalten, so Santos-Hövener.

nec/dpa

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