Ärzteschaft

COVID-19: Ambulanter Schutzwall hat funktioniert

  • Montag, 27. Juli 2020
/dpa
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Berlin – Die niedergelassenen Ärzte haben in der Coronakrise ihre Leistungsbereitschaft und ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Das hat heute Andreas Gassen, Vor­standsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), betont.

Wie der erste Trendreport des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) zur Entwicklung der ärztlichen Leistungen im 1. Quartal 2020 zeigt, kamen im März rund 350.000 Tests auf eine SARS-CoV-2-Infektion sowie rund 850.000 Behandlungsanlässe zur Versorgung einer Infektionen oder eines Infektionsverdachts zusammen.

Die Zahlen basieren auf den ärztlichen Abrechnungsdaten aus 14 der 17 Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen). Ein ausführlicher Bericht für das erste Halbjahr 2020 soll in Kürze folgen.

„Die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten waren in der Phase maximaler Aus­breitung der SARS-CoV-2-Infektionen für die Versicherten zur Stelle“, erläuterte Dominik von Stillfried, Vorstandsvorsitzender des Zi.

Die Auswertung der Abrechnungsdaten zeige einen großen Ansturm der Versicherten auf alle Vertragsarztpraxen in der ersten Märzhälfte 2020. „Wir sehen in dieser Zeit durchweg zweistellige Fallzahlzuwächse gegenüber dem Vorjahreszeitraum“, so von Stillfried.

Diese Steigerungen gehen laut Zi unter anderem mit Vorzieheffekten bei den Arzneiver­ord­nungen für die von COVID-19 besonders gefährdeten Patientengruppen einher. Ab dem Zeitpunkt der Schulschließung Mitte März seien die Menschen dann zunehmend kon­sequent zuhause geblieben, so von Stillfried. Dies habe dazu geführt, dass in den Pra­xen die Fallzahlen einbrachen.

Je nach Fachrichtung lag der Fallzahlrückgang mit persönlichem Arzt-Patienten-Kontakt in der letzten Märzwoche zwischen 37 und 64 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeit­raum.

Der beobachtete Rückgang in der Leistungsinanspruchnahme könne aber, so betont das Zi, nicht darauf zurückgeführt werden, dass die niedergelassenen Ärzte und Psychothera­peu­ten ab diesem Zeitpunkt nicht mehr in ausreichendem Maße für ihre Patienten zur Ver­fügung gestanden hätten.

Aus den Abrechnungsdaten der KVen lässt sich ablesen, dass die Anzahl abrechnender Ärzte nur geringe Unterschiede zum Vorjahreszeitraum aufweist. So rechneten etwa Haus­ärzte zwar in der dritten Märzwoche 12 Prozent und in der vierten Märzwoche 39 Prozent weniger Fälle als im Vorjahreszeitraum ab.

Die Anzahl abrechnender Hausärzte lag in der dritten Woche aber um zwei Prozent über dem Vorjahreszeitraum und hat sich in der letzten Märzwoche nur um 0,2 Prozent gegen­über dem Vorjahreszeitraum verringert. Vergleichbare Effekte zeigten sich in der fachärzt­lichen und psychotherapeutischen Versorgung.

„Der Bericht zeigt eindrucksvoll, dass die Sicherstellung der haus- und fachärztlichen Ver­sorgung während der kritischen Pandemiephase trotz zunächst mangelnder Schutzaus­rüs­tung gewährleistet wurde“, kommentierte Stephan Hofmeister, stellvertretender KBV-Vorstandsvorsitzender, die Zahlen. Er belege auch die Flexibilität der ärztlichen Versor­gung.

Besorgnisserregend seien allerdings die massiven Leistungseinbrüche bei Früherkenn­ungsmaßnahmen und Versorgungsleistungen für chronisch Kranke. „Der aktuelle Pan­de­mieverlauf erlaubt es, versäumte Kontrollen jetzt nachzuholen. Sollte dies ausbleiben, wäre das durchaus mit erheblichen gesundheitlichen Risiken für die Versicherten ver­bunden“, betonte Hofmeister.

aha

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