Darmkrebsscreening: IQWiG-Modellierung zur Altersgrenze und Koloskopiefrequenz liegt vor

Köln – Mangels klinischer Studien liegt aktuell kein direkter Beleg für einen Nutzen einer Darmkrebsfrüherkennung bei Personen unter 50 Jahren oder für modifizierte Koloskopieintervalle vor. Das geht aus einem Vorbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zum Nutzen der Koloskopie oder immunologischer Tests auf okkultes Blut im Stuhl (iFOBT) hervor.
Um dennoch Informationen über verschiedene Screeningvarianten zu gewinnen, wurde eine Modellierung durchgeführt. Das IQWiG untersuchte dabei den Nutzen von drei Varianten im Vergleich zum derzeitigen Darmkrebsscreening mittels Koloskopie mit maximal zwei Untersuchungen im Abstand von zehn Jahren.
Die erste Variante bestand aus drei Koloskopien jeweils im Abstand von zehn Jahren, die zweite aus drei Koloskopien jeweils im Abstand von mehr als zehn Jahren und die dritte Variante aus zwei Koloskopien im Abstand von mehr als zehn Jahren. Die Ergebnisse beziehen sich auf ein Szenario einer perfekten Teilnahme von 100 Prozent.
Ergebnisse der Modellierung
Für die Früherkennung mittels iFOBT wäre demnach eine Strategie mit zweijährlichen Tests bereits ab 45 statt 50 Jahren vorteilhaft, heißt es im Fazit zur Modellierung. Um einen zusätzlichen Darmkrebsfall pro 1.000 Personen im Vergleich zum aktuellen Screening zu vermeiden, müssten 333 Männer und 1.000 Frauen gescreent werden.
Die Effektivität (vermiedene Darmkrebsfälle und gewonnene Lebensjahre) könnte noch weiter gesteigert werden, wenn der iFOBT jährlich in Anspruch genommen werden könnte. Das würde jedoch mit einem deutlich höheren Koloskopieaufwand einhergehen, warnt das IQWiG.
Koloskopie über längeren Zeitraum
Für das koloskopiebasierte Screening kommt das Institut zu dem Resultat, dass es tendenziell von größerem Vorteil wäre, die Darmkrebsfrüherkennung über einen längeren Zeitraum durchzuführen als früher mit ihr zu beginnen.
Eine Strategie mit drei statt bislang zwei Koloskopien ab 50 Jahren wäre denkbar, hieß es vom IQWiG. Bei einer Koloskopie im Alter von 50, 60 und 70 Jahren müssten laut Modell 36 Männer und 50 Frauen gescreent werden, um einen Darmkrebsfall pro 1.000 Personen zu vermeiden.
Alternativ wäre aus Sicht des IQWiG ein längeres Intervalls von 15 Jahren und zwei Koloskopien im Alter von 50 und 65 zu überlegen. Bei diesem Szenario müssten 91 Männer und 143 Frauen gescreent werden, um einen Darmkrebsfall pro 1.000 Personen zu vermeiden.
Unterschiedliche Ansätze bei Männern und Frauen vorteilhaft
Bei Frauen ist eine Darmkrebsfrüherkennung auch im höheren Lebensalter potenziell von Vorteil, schreibt das IQWiG. Bei Männern sei hingegen eher ein früherer Beginn des Screenings im Vergleich zur aktuellen Screeningsituation vorteilhaft.
Gesetzlich Versicherte haben aktuell ab einem Alter von 50 Jahren Anspruch auf eine Darmkrebsfrüherkennung. Im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) überprüft das IQWiG derzeit die unteren Altersgrenzen sowie den zeitlichen Abstand und die Anzahl der Koloskopien zur Früherkennung bei Personen ohne Verdacht auf Darmkrebs und ohne spezifisch erhöhtes Darmkrebsrisiko.
Die vorläufigen Bewertungsergebnisse veröffentlicht das IQWiG nun mit dem Ziel, wichtige Argumente oder Hinweise aus der Fachöffentlichkeit und von allen Interessierten miteinzubeziehen. Stellungnahmen zum Vorbericht sind möglich bis zum 2. Februar 2026.
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