Delir bei Älteren: Neue S3-Leitlinie zur Prävention, Diagnostik und Therapie

Berlin – 69 Handlungsempfehlungen umfasst eine neue S3-Leitlinie zur Prävention, Diagnostik und Therapie eines Delirs bei älteren Menschen, die der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) gefördert hat.
Die Leitlinie verfolgt einen interdisziplinären und interprofessionellen Ansatz und stellt alltagstaugliche Handlungsempfehlungen zur Verfügung. Sie umfassen unter anderem die Erfassung von Risikofaktoren für ein Delir sowie geeignete Delirscreenings. Die Leitliniengruppe stellt zudem die Therapie der Delirsymptome und -folgen anwendungs- und settingorientiert dar.
Eine Patientenleitlinie macht außerdem evidenzbasierte Informationen für betreuende Personen aus dem persönlichen Umfeld der Patienten zugänglich, die eine wichtige Rolle im gesamten Prozess des Delir-Managements einnehmen.
„Ältere Patientinnen und Patienten zeigen aufgrund der abnehmenden Reservekapazität der Organe ein mit dem Alter stark ansteigendes Delirrisiko“, schreibt die Arbeitsgruppe um die Projektleiterin Christine Thomas. Dabei sei die Prognose des Delirsyndroms ungünstig: die Mortalität sei verdoppelt, die Institutionalisierungsrate zweieinhalbfach höher und insbesondere das Risiko einer Demenzentwicklung zwölffach erhöht.
Delirien würden trotz ihres häufigen Auftretens häufig verkannt und nicht adäquat verhindert oder behandelt, hieß es. „Häufig sind Delirien multifaktoriell bedingt, neben Infektionen sind längere Operationen und bei kognitiver Einschränkung auch psychosoziale Faktoren ursächlich“, schreibt das Leitlinienteam.
Die Konsortialführung des Projektes „ DELEIhLA“ lag bei der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie für Ältere des Klinikums der Landeshauptstadt Stuttgart. Herausgebende Fachgesellschaften sind die Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie (DGGPP) und die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG).
Die Leitlinie soll im Portal der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) erscheinen, ist aber über den Innovationsausschuss bereits als Kurzfassung mit allen Empfehlungstexten verfügbar.
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