Ärzteschaft

Dermatologie-Berufsverband warnt vor Versorgungslücken

  • Montag, 9. Februar 2026
/Seventyfour, stock.adobe.com
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Berlin – Vor einer Unterversorgung bei Hauterkrankungen warnt der Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD). Ein Hauptproblem sei der Mangel an Dermatologinnen und Dermatologen. „Diese Entwicklung trifft auf eine steigende Krankheitslast bei Hautkrebs sowie bei chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen und erhöht das Risiko verspäteter Diagnosen und Therapieeinleitungen“, hieß es aus dem BVDD.

Besonders problematisch sei der Mangel laut den Zahlen der ärztlichen Bedarfsplanung in ostdeutschen Flächenländern. „Teils kritische Werte werden insbesondere in ländlich geprägten Regionen der Länder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen erreicht“, warnt der BVDD. So wiesen von den 25 für die dermatologische Bedarfsplanung relevanten Kreisregionen in Sachsen 19 einen Rückgang des prozentualen Versorgungsgrades im Verlauf der vergangenen zehn Jahre auf.

Als Extrembeispiel erreicht die Kreisregion Löbau-Zittau in Sachsen aktuell einen dermatologischen Versorgungsgrad von nur noch 15 Prozent, im Jahr 2016 lag er bei 122 Prozent. In der Kreisregion Annaberg in Sachsen liegt der dermatologische Versorgungsgrad aktuell bei 60 Prozent (2016: 161 Prozent), in Bautzen bei 78 Prozent (2016: 142 Prozent).

„Wenn Planungsbereiche Versorgungsgrade im unteren zweistelligen Bereich aufweisen, ist das nicht nur ein statistischer Befund – es bedeutet für Patientinnen und Patienten weite Wege, lange Wartezeiten, verzögerte Diagnostik und vermeidbare Krankheitsprogression“, betonte der BVDD-Präsident Ralph von Kiedrowski.

Das Problem ist laut dem BVDD nicht auf Ostdeutschland beschränkt. Auch in ländlichen Gebieten Westdeutschlands finden niedergelassene Dermatologinnen und Dermatologen laut dem Verband zunehmend keine Nachfolger mehr. So weisen Daten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) für Niedersachsen zurzeit 16, für Bayern zwölf und für Rheinland-Pfalz zehn Niederlassungsmöglichkeiten für Hautärztinnen und Hautärzte aus.

„Wir sehen die Ursachen der Unterversorgung in einer Kombination aus altersbedingten Praxisabgaben, fehlender Attraktivität der Niederlassung und strukturellen Standortnachteilen ländlicher Regionen. Viele dermatologische Praxen in Ost-, aber auch in Westdeutschland stehen in den kommenden Jahren vor einer ungeklärten Nachfolge, während gleichzeitig junge Fachärztinnen und Fachärzte bevorzugt urbane Zentren mit besserer Infrastruktur und flexibleren Arbeitsmodellen wählen“, so von Kiedrowski.

Der BVDD steuert mit einer Nachwuchsarbeit in Form der AG Junge Dermatologen (JuDerm) gegen. Wichtig ist laut dem Verband aber auch eine Verbesserung der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung, die Prävention vor allem von Hautkrebs „sowie echte Strukturreformen mit einer unbürokratischen an medizinischen Erfordernissen orientierten Zuleitung von Patientinnen und Patienten in die richtige Versorgungsebene, um die knappen Ressourcen den demografischen Erfordernissen anzupassen“, betont von Kiedrowski.  

Die Unterversorgung mit dermatologischen Leistungen wird auch Thema der gemeinsamen Tagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) und des BVDD Ende Februar in Leipzig sein.

hil

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