Diabetes: Zahl der Sehstörungen und Erblindungen ist weltweit gestiegen

Cambridge - Die Zahl der Menschen, die aufgrund einer Diabetes-Erkrankung schwere Sehstörungen entwickeln oder sogar erblinden, hat weltweit stark zugenommen. Dies zeigt eine Analyse der Global Burden of Disease Study in Diabetes Care (2016; 39: 1643-1649).
Die Retinopathie gehört zu den bekannten Spätfolgen einer Diabeteserkrankung. Der Sehverlust kann bei einer guten Blutzuckereinstellung verhindert und das Ausmaß durch eine frühzeitige augenärztliche Behandlung in der Regel begrenzt werden. Doch in vielen Ländern werden Erkrankungen am Typ 2-Diabetes oft erst erkannt, wenn die Schäden an der Netzhaut bereits weit fortgeschritten sind. Es fehlt in vielen Ländern zudem an Medikamenten und an Augenärzten. Hinzu kommt die steigende Lebenserwartung von Diabetikern in vielen Ländern.
Rupert Bourne von der Anglia Ruskin University in Cambridge und Mitarbeiter haben hierzu die Daten der Global Burden of Disease Study von 2010 mit einer Vorgängerstudie aus dem Jahr 1990 verglichen. Ergebnis: Im Jahr 2010 gab es weltweit 32,4 Millionen blinde Menschen. Darunter waren 0,8 Millionen Diabetiker. Dies entspricht einem Anteil von 2,6 Prozent. Anders ausgedrückt war eine von 39 Erblindungen Folge einer Diabeteserkrankung. Gegenüber der Voruntersuchung aus dem Jahr 1990 ist dies ein Anstieg um 27 Prozent. Als blind gelten alle Menschen mit einem Visus von unter 3/60. Sie können aus 3 Metern das erkennen, was ein sehgesunder Mensch aus 60 Metern sieht.
Hinzu kommen noch einmal 3,7 Millionen Menschen, die aufgrund einer Diabeteserkrankung einen Visus zwischen 3/60 und 6/18 haben, die also bestenfalls aus 6 Metern Entfernung das erkennen, was ein gesunder Mensch in 18 Metern Entfernung scharf sieht. Dies stellt eine mittelschwere bis schwere Sehstörung dar, an der weltweit 191 Millionen Menschen leiden. Der Anteil der Diabetiker an den Menschen mit mittelschweren bis schweren Sehstörungen beträgt 1,3 Prozent oder einer von 52 Patienten. Im Vergleich zur Voruntersuchung aus 1990 ist die Zahl um 64 Prozent gestiegen.
Die meisten Menschen, die aufgrund einer Diabetes-Erkrankung schwere Sehstörungen entwickeln, leben in Südasien und Afrika südlich der Sahara. Doch auch Menschen in westlichen Ländern sind gefährdet. Um die Erkrankung rechtzeitig zu erkennen und behandeln zu können, sollten ältere Menschen mit Diabetes sich mindestens einmal pro Jahr vom Augenarzt untersuchen lassen, raten die Autoren.
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