Diabetische Retinopathie: IQWiG sieht Vorteile der Fundusfotografie gegenüber der Ophthalmoskopie bei Diagnostik

Köln – Die Fundusfotografie könnte der binokularen Untersuchung des Augenhintergrundes in Mydriasis – also einer Ophthalmoskopie – bei der Feststellung und Verlaufsbeurteilung einer diabetischen Retinopathie überlegen sein. Das berichtet das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) im Rahmen einer Nutzenbewertung.
Die diabetische Retinopathie umfasst verschiedene neurovaskuläre Veränderungen an der Netzhaut und kann unbehandelt zur Einschränkung der Sehfähigkeit bis hin zur Erblindung führen. Im Mittel ist etwa ein Viertel der Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes von einer diabetischen Retinopathie betroffen.
Bei der Fundusfotografie werden für jedes Auge eine oder mehrere fotografische Aufnahmen des Fundus erstellt, auf deren Grundlage anschließend das Vorliegen beziehungsweise das Stadium einer diabetischen Retinopathie ermittelt wird.
Dies ermöglicht es unter anderem, an peripheren Untersuchungsorten Fundusfotografien anzufertigen und diese zentral auszuwerten. Das IQWiG hat für die Nutzenbewertung Ergebnisse aus drei Studien zur diagnostischen Güte herangezogen.
Im Vergleich zur Ophthalmoskopie zeigte die Fundusfotografie in allen Studien eine höhere Sensitivität für die Feststellung einer abklärungsbedürftigen diabetischen Retinopathie. Die Fundusfotografie identifiziert also im Vergleich zur Ophthalmoskopie mehr Personen mit Formen einer abklärungsbedürftigen diabetischen Retinopathie, sodass diese rechtzeitig behandelt werden können.
Die Studien zeigen allerdings auch eine niedrigere Spezifität der Funduskopie – es gab also mehr falsch-positive Befunde als bei der klassischen Ophthalmoskopie. Aber die IQWiG-Arbeitsgruppe misst der höheren Sensitivität mehr Gewicht bei als der Spezifität – auch, weil der Zugewinn an Sensitivität in jeder Studie größer ausfiel als der Verlust an Spezifität.
„Insgesamt liegt für die Fundusfotografie als Screeninginstrument ein Anhaltspunkt für einen höheren Nutzen im Vergleich zur Ophthalmoskopie vor“, lautet das Fazit des IQWiG-Teams. Das Institut hat seine Ausarbeitung als Vorbericht veröffentlicht. Interessierte können diesen bis zum 19. März kommentieren.
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: