Digitale sexualisierte Gewalt weit verbreitet

Köln – Zwei Drittel der jungen Menschen haben bereits digitale sexualisierte Gewalt, sexuelle Beleidigungen oder Belästigung erlebt. Das geht aus einer Sonderauswertung der Studie Jugendsexualität hervor, die das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) im Bundesgesundheitsblatt vorgestellt hat (2026; DOI: 10.1007/s00103-026-04212-y).
Danach machen viele junge Menschen in Deutschland Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt: Rund zwei Drittel (64 Prozent) der 5.855 befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben mindestens eine Form sexualisierter Gewalt ohne Körperkontakt erlebt, knapp ein Drittel (29 Prozent) berichtet zudem von mindestens einer Erfahrung mit sexualisierter Gewalt mit Körperkontakt.
Zu den Formen ohne Körperkontakt zählen zum Beispiel das gezielte Anbahnen sexueller Kontakte mit Minderjährigen im Internet, sexualisierte Beleidigungen oder das Zusenden sexueller Bilder oder Filme. Zu den Formen mit Körperkontakt zählen ungewollte körperliche Berührungen oder sexuelle Handlungen. Junge Frauen sind davon doppelt so häufig betroffen wie junge Männer.
Die Daten zeigen außerdem, dass Jugendliche sexualisierte Gewalt häufig durch Gleichaltrige erfahren. 71 Prozent der Gewalt ausübenden Personen sind männlich.
Die meisten Betroffenen vertrauen sich nach der ersten körperlichen Gewalterfahrung mindestens einer anderen Person an. Hier spielen vor allem Freundinnen und Freunde eine wichtige Rolle (51 Prozent), doch auch die Eltern sind relevante Vertrauenspersonen (33 Prozent).
„Viele junge Menschen erleben sexualisierte Gewalt unter Gleichaltrigen, online genauso wie offline. Deshalb ist es wichtig, dass sie lernen, Übergriffe zu erkennen und klar zu benennen“, sagte Mechthild Paul, Abteilungsleiterin Sexualaufklärung, Verhütung, Familienplanung und stellvertretende Leiterin des BIÖG.
Gleichzeitig müsse man sie darin bestärken, in riskanten Situationen sich und andere zu schützen sowie Betroffenen zur Seite zu stehen. Nötig seien dafür sexuelle Bildung in Schule und Elternhaus sowie kompetente Ansprechpersonen in ihrem direkten Lebensumfeld, betonte sie.
Datengrundlage der Studie „Jugendsexualität sind 5.855 bundesweit geführte Interviews. Der Erhebungszeitraum lag zwischen Februar und Juli 2025. Befragt wurden 3.514 Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren und 2.341 junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren.
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